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Ohne Leichnam ist der Trauerprozess sehr schwierig…

…schreibt heute der Tagesanzeiger. In diesem Fall geht es zwar um zwei vermisste Kinder, aber ich glaube, es spielt keine Rolle, wer abhanden gekommen ist, wenn geliebt wird.

«Ohne Leichnam ist der Trauerprozess sehr schwierig», erklärt die Berner Psychotherapeutin Annalies Everts. «Oft kommt es vor, dass Hinterbliebene die Trauerarbeit nie richtig abschliessen können.»

Laut der 61-jährigen Therapeutin, die sich auf posttraumatische Belastungsstörungen spezialisiert hat, ist es normal, dass Angehörige von plötzlich verstorbenen Menschen in einer ersten Phase den Tod nicht wahrhaben wollen. «Ein Leichnam ist in dieser Phase ein Beweisstück dafür, dass das Undenkbare tatsächlich geschehen ist und der Mensch plötzlich aus dem Leben gerissen wurde», sagt Everts. Rituale wie das Waschen oder Aufbahren der Toten würden dabei helfen, den Tod fassbar zu machen.

Bei den meisten Todesfällen dauert der Trauerprozess rund ein Jahr, geht durch verschiedene Stadien und endet damit, dass die Hinterbliebenen den Verlust eines Menschen akzeptieren und sich neu orientieren. Bleibt ein Opfer jedoch verschollen, können viele Angehörige die erste Phase nicht abschliessen und lernen nie, den Tod zu akzeptieren. «Immer wieder hoffen sie auf ein Wunder und glauben, dass der Verschwundene plötzlich durch die Türe kommen könnte», erklärt Everts.

Können Menschen ihre Trauerarbeit nicht abschliessen, ist die Gefahr gross, dass sie krank werden. «Viele werden depressiv und kommen mit dem Leben nicht mehr zurecht», sagt Everts, «andere suchen verzweifelt nach den Vermissten.»

Bald jährt sich hier der Tag, an welchem Kyra verschwand. Die Welt hat sich vom ersten Moment an weiter gedreht, nur ich selber bin stillgestanden. Inzwischen drehe auch mich wieder etwas normal in meiner Umlaufbahn. Nicht mehr jeder weissliche Fleck am Strassenrand könnte Kyra sein. Ich komme nach Hause ohne an Kyra zu denken, daran ob sie jetzt vielleicht endlich da steht. Die Hoffnung ist nicht mehr alltäglich vorhanden.

Okay ist es noch lange nicht. Aber es ist schön, dass es Kyra in meinem Leben überhaupt gab. Dass ich so eine spezielle Zaubermaus kennen durfte, lieben konnte. Mit ihrem Bruder noch etwas von ihr in meiner Nähe zu haben ist irgendwie auch ein Trost, auch wenn Stitch doch so komplett anders als sie ist. Aber er wird mich immer an Kyra erinnern, weil sie zusammen in mein Leben traten.

Auch wenn ich mit der Situation inzwischen ganz gut umgehen kann, so ist doch einiges an ‘Schaden’ geblieben. Ich bin extrem ängstlich geworden, habe mehr Verlustangst als zuvor, schlafe aufmerksamer und bin beim kleinsten Geräusch wach, schnell auch mal etwas panisch. Und richtig fest Angst habe ich davor, dass ich so etwas noch einmal erleben muss. Ich hoffe, dass meine Mäuse noch ganz ganz viele Jahre an meiner Seite verbringen können. Denn ein Trauerprozess ist nicht nur ohne Leichnam schwierig sondern so oder so. Und er braucht Zeit. Zeit in der man Ruhe braucht.

Bald 1 Jahr ohne Kyra… unbegreiflich bleibt es wohl immer :-(

>> Quelle Tagesanzeiger mit mehr Informationen

4 comments to Ohne Leichnam ist der Trauerprozess sehr schwierig…

  • Brigitte

    Ist es tatsächlich schon 1 Jahr? Aber Du hast Recht: Die schönen Erinnerungen an Kyra sollten Dir immer sagen: Es war zwar eine kurze Zeit zusammen, aber die war unvergleichlich. Ganzfestumarm.

  • cheesy

    Bald ein Jahr, ja. Unglaublich, nicht wahr?

  • Dagmar T.

    Ich kann gut verstehen, daß manchmal- entgegen der Vernunft- doch noch eine verrückte Hoffnung besteht. Denn Du weißt ja nach wie vor nicht, was passiert ist. Du kannst nicht wirklich abschließen. Die Psychotherapeutin hat das sehr gut ausgedrückt.Ich wünsche Dir, daß Deine 2 Fellnasen noch ganz viel Zeit mit Dir verbringen dürfen.

  • anjule

    … kaum zu glauben – fast ein Jahr…

    Ich schicke Dir heute speziell ein paar Sonnenstrahlen an den Zürisee rüber!

    LG
    Jule

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