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Vegan leben = Kein Verzicht?

Ein Wort, welches Veganer äusserst ungern hören im Zusammenhang mit Veganismus ist “Verzicht”. Man verzichte auf nichts sondern vermeide tierische Produkte, bzw. Tierleid.

Hm…..

Ist es wirklich kein Verzicht? Nie? Weder beim Fondü, Raclette, Snickers, Maltesers, der weissen Schoggi, der warmen Ovi, Glühwein, Weisswein, der Bündner Nusstorte, welche mir heute vor die Nase gesetzt wurde?

Ich weiss nicht wie es sich nach 6 Jahren statt nach 6 Wochen veganem Leben anfühlt. Aber ja doch, aktuell ist es ein Verzicht. Natürlich ein sehr bewusstes verzichten auf Lebensmittel, hinter denen Tierleid steht. Ergo tut einem der Verzicht nicht so weh weil er nicht sinnlos ist. Aber es ist und bleibt ein Verzicht.

Bleibt die Frage, wie es sich in 6 Jahren (oder früher *g*) anfühlt. Ich erinnere mich an meine Vegetarieranfänge als sich die Pizza ohne Salami auch als Verzicht anfühlte und heute würde ich sie um keinen Preis essen wollen.

Was ist für Euch Verzicht? Und fühlt Ihr ihn noch oder nicht (mehr)?

14 comments to Vegan leben = Kein Verzicht?

  • Ähm, so lange es mir keiner unter die Nase hält, gehts eigentlich. ich esse ja reichlich und hab daher keinen Heißhunger. Im Moment ist es eher eine Erweiterung meines vorher eher armseligen Speiseplans. Aber logo, dass zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt, sich alles sehr nach Verzicht anfühlen wird…

  • PD

    Hi Cheesy,

    Du empfindest Verzicht als negativ? Ich verzichte auf Vieles, auch im Zusammenhang mit meinem afap-veganem-Leben, und ich fühle mich gut und stark dabei. Das Ergebnis ist entscheidend, und wenn durch mein Verhalten ich selbst, andere Lebewesen und unser Planet weniger zu leiden haben – dann ist Verzicht doch nur positiv, oder?

  • cheesy

    Hm… naja, dem Wort “Verzicht” haftet ja schon was negatives an, findest Du nicht?
    Und ich höre immer wieder bei Artikeln über Veganismus “schade dass das Wort ‘Verzicht’ gebraucht wurde”. Ergo muss es negativ sein?

  • PD

    Ich sag `s mal wie es ist: Heute noch, nach 20-jähriger “Abstinenz”, läuft mir immer noch das Wasser im Munde zusammen, wenn ich gegrillte Bratwurst oder Hähnchen oder Fisch rieche. In dem Moment verzichte ich. Wenn ich aber an die Begleitumstände denke, könnt` ich kotzen! Manche ekeln sich schon vor den Gerüchen, die verzichten vielleicht weniger …

    Egal: Jede Handlung oder Unterlassung ist zu bewerten nach ihren möglichen Konsequenzen! Ich bleibe dabei – Verzicht ist positiv, wenn es anderen nutzt, und negativ, wenn es anderen schadet! Und das muss man Unveggies halt klar machen ;-)

  • Andrea

    Anfängerfrage: was ist “afap” vegan (kopfkratz) “as far as possible”, vielleicht? Wenn mich meine Gelüste wieder mal übermannen, (meistens wenn mein Tischnachbar etwas Leckeres auf dem Teller hat, oder in der Bäckerei), stelle ich mir vor, wie es war da rein zu beissen und dann geniesse ich dieses “Gefühl”. Manchmal muss ich mir auber auch wieder vor Augen führen, wieviele Male ich z. B. von einem labrigen Cordon Bleu oder Fabrikbrot, faden Cervelats usw. enttäuscht war und dann gehts locker ohne ;-) Das Gefühl von Verzicht kommt wahrscheinlich dann auf, wenn ich im Restaurant zum 100. Mal nichts ausser Pommes und dem berühmten Gemüseteller finde, wobei der ja auch meistens mit Butter und evtl. Rahm verfeinert wurde…bleiben also Pommes und Salat mit Olivenöl und Zitronensaft…und die Anderen können sich vor lauter Vielfalt kaum entscheiden. Naja, ich weiss wofür und es lohnt sich definitiv!

  • Roksi

    Ich war gerade im Veganz (veganer Supermarkt) und bin begeistert. Es gab sogar eine fertige Mischung für Fondue!! Ob sie schmeckt, ist natürlich eine andere Frage, müsste man ausprobieren… Aber viele tolle Sachen, eine gute Auswahl an Algen… Supernette Bedienung. Habe auch leckeren Espresso Macchiato getrunken und Schoko-Minze-Kuchen gegessen. Alles vegan selbstverständlich. Also nix Verzicht heute! :D

    Aber ich muss gestehen, essen gehen ist nicht so einfach. Zwar gibt es immer mehr vegane Restaurants in Berlin, aber nicht sooooo viele. Und mit dem Glühwein – muss man sich zu Hause machen, aus veganem Wein… *seufz*

    Mit Süßkram habe ich kein Problem, ich mache selbst sehr gute vegane Kuchen und Torten :D
    Eher mit so speziellen Sachen ab und an, so wie Serrano Schinken oder Fuet (eine Art trockene Wurst), die ich früher geliebt habe. Dann ist es Verzicht, aber freiwillig und für einen guten Zweck… Dann empfinde ich solchen Verzicht nicht negativ.

    Und vegane weisse Schoki – oder Weine, die vegan sind, gibt es ja.

  • witzig, ich hatte die letzten Tage auch darüber nachgedacht und meine Einstellung dazu formuliert. Eigentlich wollt ich s nochmal überarbeiten, aber jetzt hab ich s doch schon veröffentlicht: http://vollvegan.blogspot.com/2011/11/schone-heile-veganerwelt.html

  • Für mich ist es kein Verzicht. Weil ich weiß, warum ich es nicht essen will, weil ich weiß, wie viel besser ich mich mit echten Lebensmitteln fühle und weil mein Körper verinnerlicht hat, dass er auf böse, eklige und ungesunde Inhaltsstoffe nicht mit sabberndem Appetit zu reagieren hat ;)
    Und alle von dir aufgezählten Sachen kann man ja mit Alternativen ersetzen, die einem nach einige Zeit so lecker schmecken, dass man sich an das Original nicht mehr erinnern kann.

    Also Kopf hoch – es wird bestimmt wie mit der Salami auf der Pizza. Der Körper vergisst diese Lebensmittel und wirft das Gefühl von Bord, was wir damit verbinden. Wenn du die Sachen, sagen wir, nach 2 oder 3 Jahren mal wieder probierst, dann wirst du es merken … dass es ganz anders schmeckt, als du es in Erinnerung hast, und dass es dir nichts mehr gibt.

  • Sahilee

    Hallo Cheesy,
    bin von MM aus, auch mal in deinem Blog gelandet :)

    Ich lebe seit letztem Jahr September vegan (aus verschiedenen Gründen) und wenn ich zu Hause bin, oder bei Freunden, die wissen was ich esse etc. fühlt es sich gar nicht nach Verzicht an, denn für die meisten Dinge gibt es ja zum Glück doch Alternativen. Aber an anderen Orten ist es nicht immer so einfach und da ist bzw. war es dann klar auch Verzicht.
    Als Veganer verzichten wir doch alle. Und das hat negative, aber auch positive Seiten. Denn wir verzichten ja nicht aus Spaß an der Freude, oder aus Selbstkasteiung, sondern weil wir dafür Gründe haben und die sind ja zumeist positiv/wertvoll.

  • cheesy

    @PD: Ui nein, also auf Fleisch reagier ich schon sehr lange sehr “geruchsallergisch”. Das ist mir auch zu direkt am toten Tier dran. Während es mir teilweise schwer fällt bei Milchprodukten so direkt das Tierleid zu sehen. Man braucht irgendwie dazu mehr Vorstellungskraft, ergo ist es dann doch eher auch ein Verzicht.

    @Andrea: Ja… afap hab ich mir von asap ausgeliehen, as far as possible. Weil ich denke, dass 100% vegan leben eh nicht machbar ist, weil einem da immer wieder mal der Wein, der Essig, das Auswärtsessen usw. unvegan in die Suppe spuckt.

    @Roksi: *neeeeeeeeeid* Ich will auch einen veganen Supermarkt! Ich wusst’s schon immer: Berlin ist toll!

    Ich glaube, der Verzicht ist effektiv eher auswärts. Wenn ich an die baldigen Weihnachtsmärkte denke an denen ich keinen Glühwein trinken soll/will/kann, dann fühlt sich das schon doof an. Zumal auch hier: Glühwein ist sooo weit entfernt von Tierleid, das braucht viel Vorstellungskraft für mich um mir vor Augen zu führen, dass der Glühwein nicht vegan ist *schäm*

    @Mausflaus: Starker Text, hab dazu gesenft :-)

    @windimhaar: Auch mir ist klar, warum ich es nicht zu mir nehme. Wobei es mir eben bei einigen Produkten schwerer fällt. Und: Ich hoffe dass es so ist und der “Gluscht” mit der Zeit effektiv vergeht.

    @Sahilee: Schön dass Du da bist :-) Bleibst Du? :-)

  • Sahilee

    Danke! Ja, ich hab’s zumindest vor :D

  • Die Frage ist nur, wie viel dieser Verzicht im Endeffekt bringt – oder ob nur einfach mehr Lebensmittelmüll entsteht. Eine Frage übrigens, die auch an PETA gestellt habe, die Antwort hab ich hier veröffentlicht: http://achtungpflanzenfresser.wordpress.com/2011/11/26/post-von-peta/

  • cheesy

    Ja Deine Frage, bzw. auch die Antwort von Peta hatte ich auch gelesen. Ich bin da allerdings nur für kurzfristig ihrer Meinung was die Auswirkungen des Konsums auf die Wirtschaft betrifft. Denn Subventionen in diesen Bereichen funktionieren nur so lange, wie es genug Menschen gibt, welche diese Produkte konsumieren wollen und bereit sind, mit ihren Steuergeldern die Subventionen zu bezahlen. Würde die Welt aus lauter Veganern bestehen gäbe es Proteste gegen Milchsubventionen :-)

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