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Warum ich die “Vegan-Flagge” schwinge. Immer und immer wieder.

Knapp ein halbes Jahr Veganerin und schon so davon überzeugt, ein besserer Mensch zu sein.
Nicht meine Meinung, die der Anderen.

Veganer, wollen einem immer die eigene Meinung aufzwängen und missionieren.
Auch nicht meine Meinung, und tue ich auch nicht.

Ein Gespräch mit dir ist einfach so anstrengend. Immer erklärst du einem was man falsch macht.
Vorwürfe an mich. Haltbar?

Nun… es ist schon so, dass ich ein sehr angepasster Vegetarier war. Irgendwie habe ich mich einlullen lassen und bin ruhiger und ruhiger geworden. Habe zwar den Vegetarismus verteidigt, aber den Fleischkonsum selten angeprangert, bzw. immer wie seltener aufgeklärt. Bin ruhig geworden.

Dann habe ich mich entschieden vegan zu leben. Und alles begann von vorne. Spannend. Und anstrengend. Für beide Seiten :-)

Immer wieder gibt es Diskussionen darüber ob und wieviel Fleisch man essen soll/darf/muss, ob und warum Milchkonsum gesund/schädlich/sinnig/sinnlos ist, warum die Kuh nicht froh ist gemolken zu werden, warum auch hinter dem Bioei Tierleid steckt,ob vegan leben nun ungesund ist und warum oder eben doch nicht und und und…

Und immer wieder lasse ich mich mit ganzem Herzblut darauf ein und schwinge die Vegan-Flagge von neuem. Warum eigentlich? Weil ich missionieren will? Weil ich eine vegane Welt erreichen will? Falsch. Ich wünsche mir zwar eine vegane Welt aber mir ist durchaus bewusst, dass das Ziel unrealistisch ist. Missionieren ist nicht mein Ding und mir liegt fern jemandem zum Veganer zu bringen, wenn er nicht will. Das ist vergebene Liebesmüh.

Was will ich dann erreichen durch die Diskussionen? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach und auch naheliegend: Aufklärung! Es ist ja okay, wenn man nicht weiss, dass die Kuh nicht einfach so Milch gibt. Es ist okay wenn man sich denkt, das Bioei stammt vom glücklichen Huhn und niemandem wird Leid zugefügt. Es kann auch sein, dass man den unsinnigen Sprüchen à la “Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg” glaubt und nicht weiss, dass die ganzen Regenwaldabholzungen für Sojafelder ausschliesslich für die Fütterung der riesigen Mengen an Masttieren benutzt wird und dass sämtliche Ressourcen (Soja, Getreide, Wasser etc.) viel effizienter zum Menschen gelangen würde wenn man es ihm direkt geben würde statt via Tiermagen zu Fleisch zu verarbeiten.

Warum ist es okay da alles zu glauben? Weil man nie alles wissen kann. Aber jetzt kommt der springende Punkt: Man kann es solange glauben wie man sich nicht informiert hat, eines besseren belehrt wurde. Und darum rede ich mir immer wieder von neuem dem Mund fusselig. Weil ich, selbst wenn ich am Essverhalten der meisten Menschen nichts ändern kann, immerhin will, dass sie wissen was sie essen. Dass sie wissen, was mit ihrem Schnitzel zuvor passiert ist. Wo die Milch herkommt. Was hinter dem Ei steckt. Was sie mit ihrem neuen Wissen anfangen ist ihre Sache. Ob sie mit gutem Gewissen weiter machen wie zuvor. Das liegt nicht in meiner Macht.

Aber an Märchen zu glauben, das Tierleid, das Problem unseres Planeten und die Hungersnot der Menschen nicht zu sehen oder die Tatsachen zu verdrehen um dann Unwahrheiten zu verbreiten, das kann ich nicht ertragen.

Und darum werde ich hoffentlich immer und immer und immer wieder die Kraft und den Mut aufbringen meine unsichtbare vegane Flagge hervorzuholen und dafür einzustehen, was unserem Planeten, uns Menschen und den Tieren besser tut.

Vegan

Quelle: http://www.vegane-gesellschaft.org

10 comments to Warum ich die “Vegan-Flagge” schwinge. Immer und immer wieder.

  • Corinna

    …Du hast mir aus dem Herzen geschrieben….!

  • Schöner Beitrag. Ich stelle mir auch immer wieder solche Fragen, obwohl ich es noch fast schlimmer finde, wenn Menschen wissen wo ihr Essen herkommt und wie es produziert wird (mit allen Konsequenzen) und dann trotzdem diese “Ist mir doch egal, solange es mir schmeckt” Einstellung an den Tag legen. Dann ist es doch ehrlicher, wenn mir jemand sagt er hätte das Buch “Tiere Essen” schon so oft in der Hand gehabt, es aber nicht gelesen aus Angst vor den Konsequenzen für das eigene Handeln. Da merkt man eher, dass es da im Kopf rumort.

  • J.

    Toll. Toll. Toll.
    Mir geht es genauso. Wobei neben Aufklärung bei mir noch ein anderer Punkt mitspielt: Ich möchte gerne verstanden werden. Wenn ich ausführlich auf Fragen antworte, geht es mir nicht unbedingt darum, Menschen zu beeinflussen. Klar wäre es schön, wenn sich etwas ändert. Aber wichtig ist mir vor allem, dass meine Mitmenschen wirklich nachvollziehen können, wieso ich mir das “antue” und “verzichte” – denn das ist es ja in deren Augen: Ein Verzicht, der für sie unvorstellbar ist.
    Es ist gerade zu Beginn eine Riesenumstellung und ich verstehe jeden, den das vegane Leben erst einmal abschreckt. Genau deswegen ist es wichtig, den Menschen zu zeigen, dass es möglich ist. Lecker schmeckt. Und Spaß machen kann.
    Wobei das verstanden werden ja mit der Aufklärung einhergeht. Erst wenn mein Gegenüber weiß, was wirklich hinter seinem Glas Milch steckt, kann er meine Entscheidung auch verstehen.

  • “Ich möchte gerne verstanden werden. Wenn ich ausführlich auf Fragen antworte, geht es mir nicht unbedingt darum, Menschen zu beeinflussen. Klar wäre es schön, wenn sich etwas ändert. Aber wichtig ist mir vor allem, dass meine Mitmenschen wirklich nachvollziehen können, wieso ich mir das “antue” und “verzichte” – denn das ist es ja in deren Augen: Ein Verzicht, der für sie unvorstellbar ist.”

    So geht es mir beispielsweise auch. Allerdings wird dieses “sich selbst erklären” eben schon als Missionierung empfunden! That’s the problem! :-(

  • Roksi

    Dem ist aus meiner Sicht nichts mehr hinzuzufügen… Sehr gut erfasst.

  • cheesy

    Saskia, Du wirst in mir eine Frage auf die ich mir gar nicht beantworten kann. Was finde ich schlimmer? Leute die um all das wissen und trotzdem sagen “mir egal, ich ess das jetzt”? Oder Leute die es gar nicht wissen wollen, also die totale Verdrängung. Hm… ich habe für mich noch keine Antwort gefunden. Grundsätzlich verstehe ich eh beide Varianten überhaupt nicht. Wie kann man so sein…?

    J., stimmt! Verstanden werden! Das ist auch etwas sehr sehr wichtiges! Als ich neu Veganerin war musste ich mich quasi nonstop nur erklären, begründen, argumentieren. Bis auf eine liebe Freundin die einfach fand: “Ich verstehe das! Das ist toll dass du das machst!” Das tat soooo gut! Auch wenn sie selber weit weg von vegan ist (dafür ihren Fleischkonsum reduziert hat *freu*), tat es so gut einfach so verstanden zu werden.

    …wie oft werdet Ihr denn verstanden?

  • Roksi

    Nicht sehr oft, leider. Vegetarier, das verstehen die Leute irgendwie schon. Aber Veganer, das ist für die meisten zu extrem, übertrieben.

  • Verstanden? Öhm..maximal von einer Person in meinem Umfeld, selbst pro vegan Vegetarierin. Ansonsten wird es toleriert, aber verstanden..davon bin ich so weit weg wie Nonnen von ner Stripteasebar :-(

  • cheesy

    :-( Deprimierend.

  • [...] Warum ich die “Vegan-Flagge” schwinge. Immer und immer wieder. [...]

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