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Warum weiterhin Palmöl konsumieren?

Um das Thema Palmöl kommt man als Veganer relativ bald nicht umher… Ein für mich sehr gut geschriebenes Statement dazu hat Pfisti gepostet und ich möchte und darf es hier zitieren (danke :-) ):

Warum ich weiterhin Palmöl konsumiere

Würden alle plötzlich Kokosöl benutzen, hätten wir genau dasselbe Problem mit den Kokospalmen. Keine Pflanze, die derart exzessiv genutzt wird, kann ausschliesslich ökologisch angebaut werden. Es ist also nicht das Palmöl an sich das Problem, sondern die Tatsache, dass wir derart viel davon brauchen.

Wie Palmöl hat auch Kokosöl viele gesättigte Fettsäuren. Das verleiht den Ölen die Eigenschaft, bei etwas weniger als Zimmertemperatur fest zu sein und bei etwas mehr, flüssig. Diese Eigenschaft haben sonst praktisch nur tierische Fette. Würden wir also kein Palmöl brauchen, müssten wir auf Kokosöl oder auf tierische Fette umsteigen. Weil tierische Fette aus ethischer, ökololgischer und gesundheitlicher Sicht absolut unverantwortlich sind, bleibt uns als Alternative noch Kokosöl. Das Problem ist aber, dass sich Kokospalmen niemals so effizient nutzen lassen wie Ölpalmen. Würden wir also umsteigen, hätten wir die grössere ökologische Katastrophe, als wir sie gegenwärtig mit der Ölpalme haben.

Die Lösung heisst daher nicht Verzicht auf Palmöl, sondern ganz einfach gesättigte Fette möglichst vermeiden. Wozu braucht man diese?

  • In Fertigprodukten, da ist es einfach darauf zu verzichten
  • In Margarine, da gibt es ja mit Nussmusen, Avocados, Hefeaufstrichen, Pflanzenölen etc. genügend Alternativen
  • In Käseähnlichen Produkten, die schmelzen sollen, auch diese sollte man einschränken können. (Die No-Muh von Vegusto sind ohne Palmfett)
  • Zum Braten, da sollte man ausschliesslich solche Fette, oder High Oleic Öle benutzen, weil Fette mit vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Olivenöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl etc.) einen tieferen Rauchpunkt haben und damit bei hohen Temperaturen Transfettsäuren entwickeln, die gesundheitsgefährdend sind.

(Bei High Oleic Pflanzen ist der Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren viel höher gezüchtet, woraus wiederum eine höhere Hitzestabilität resultiert)

Also sollten wir:

  • Auf Fertigprodukte verzichten
  • Den Konsum von Margarine einschränken
  • Den Gebrauch von veganen Käsealternativen einschränken
  • Wenig Braten oder dann auf Kokosfett und High-Oleic Öl ausweichen
  • Und besonders wichtig: Auf Zutaten aus biologischem, nachhaltigem Anbau achten!

Quelle und weitere Diskussion auf >> Facebook

7 comments to Warum weiterhin Palmöl konsumieren?

  • Ein wirklich interessanter Artikel! Danke für’s posten, bei Facebook hätte ich das nicht gelesen. Ja unser Konsum ist das eigentliche Problem :( Egal ob wir uns eine günstige Jeans kaufen oder jedes Jahr ein neues Smartphone, alles hat Auswirkungen auf andere …..

  • die tatsache, das wir IRGENDWELCHES öl in großen mengen brauchen, kann aber doch eigentlich das problem für regenwaldabnutzung sein, denn wir haben vor ein paar jahren ja schon genauso viel öl gebraucht. ich glaube früher wurde aber mehr raps/sonnenblumenöl verwendet, was hier angebaut wurde. dann kam billiges palmöl und man hat hier halt was anderes angepflanzt.
    das thema palmöl ist so verwirrend, ich wünschte es gäbe ein vertrauenswürdiges fact-sheet dafür.

    der wilmersburger ist übrigens ohne palmöl. obwohl er schmilzt :-)

  • Pfisti

    Ja, Mausflaus, der Wilmersburger ist nun ohne Palmöl, als ich diese Notiz schrieb, enthielt er noch welches. Vermutlich wird er unterdessen mit Kokosöl hergestellt…
    Palmöl wird eben nicht nur für die Ernährung, sondern auch in der Industrie und in der Kosmetik verwendet. Auch Bio-Diesel wird oft aus Palmöl hergestellt. Wie man ja schon aus Deiner Aussage schliessen kann, ist der bewusste Konsument, der Palmöl nur in geringen Massen und aus biologischem Anbau konsumiert also nicht derjenige, der die Problematik um das Palmöl zu verschulden hat.
    Raps/Sonnenblumenöl ist eben nur bedingt ein Ersatz für Palmöl. Wie ich geschrieben habe, ist es nur dort einzusetzen, wo man nicht auf die feste Form (Fett) bei einer geringen Abweichung von der Zimmertemperatur angewiesen ist, und – wenn man von High-Oleic Ölen absieht – nicht auf einen hohen Rauchpunkt angewiesen ist.
    Ein “vertrauenswürdiges fact-sheet” ist bei Produkten, an welchen so viele Interessen hängen, immer schwer zu finden…

  • SH

    Ich finds gut, dass mal jemand das Palmöl-Thema einen Schritt weiter betrachtet. Ich hab mich schon oft gefragt, wenn ich von Palmöl-Verzicht las, was denn die massentaugliche Alternative dazu ist. Kokos- oder noch mehr Sojaöl ist es meiner Ansicht nach wirklich nicht. Ich denke, es müsste grundsätzlich möglich sein, einen Teil des Palmöl-Verbrauchs wieder durch heimische Fette und Öle zu ersetzen. Vielleicht auch, indem man gehärtete Fette nicht grundsätzlich verteufelt. Oder vielleicht wären manche Sachen nicht so lange haltbar. Ich würde auch gern mal einen Lebensmitteltechniker dazu hören, aber nicht in dem Zusammenhang dass eine Palmööl verarbeitende Firma sich erklärt…
    Noch ein Lösungsansatz der leider (noch?) recht utopisch ist: wenn die Welt vegan(er) würde, würden eine Menge Anbauflächen grade auch in tropischen Gebieten frei.

    Ich persönlich finde es übrigens absolut nicht leicht, auf die wenigen in meiner veganen Küche verbleibenden Fertigprodukte auch noch zu verzichten…
    Aber man kann mit Rapsöl braten! Nur zum Frittieren ist es sicher nicht so geeignet.

  • Pfisti

    “Einen Teil” wird man schon ersetzen können. Palm- und Kokosöl haben aber dank ihrer gesättigten Fettsäuren einzigartige Eigenschaften bezüglich des Schmelzpunktes.
    Ich würde nicht unbedingt in Rapsöl braten. Temperaturen von über 180°C sind leider sehr schnell erreicht und Rapsöl kann je nach Sorte einen Rauchpunkt von 130°C – 190° C besitzen. Wenn man auf Kokos- oder Palmfett verzichten will, würde ich zu High-Oleic Sonnenblumenöl raten. Dieses besitzt einen Rauchpunkt von 209°C – 213°C, da ist man eher auf der sicheren Seite.
    Das bisschen Palmöl in einer veganen Küche, welches zudem meist aus biologischem Anbau stammt, verursacht die Problematik auf jeden Fall sicher nicht. Wir müssten erst mal die Billig-Fertigprodukte, die Kosmetik, die Treibstoffe etc. unter die Lupe nehmen. Ist nämlich ein palmölhaltiges Produkt die Alternative für eines mit Milchbestandteilen, macht es bestimmt Sinn, auf das Produkt mit Palmöl auszuweichen. Ich denke da beispielsweise an einen Schoko-Aufstrich.

  • SH

    Ja, aber trotz der einzigartigen Eigenschaften, auf die auch Hersteller so oft verweisen, hat man vieles früher ja auch anders hinbekommen. Und ein Teil wäre ja schon mal was. 90% des Palmöls gehen in Lebensmittel, ich würde daher Kosmetika und Treibstoffe nicht als ersten Fokus sehen.
    Also sorry aber was ich so sehe, ist Palmöl in fast ALLEN verarbeiteten Produkten enthalten, auch und gerade in veganen, darum verzichte ich auch nicht komplett drauf. Mein Schokoaufstrich ist wiederum ausgerechnet palmölfrei da selbstgemacht ;-) und er ist nicht weniger stabil-cremig als fertiger, müsste also auch industriell gehen.

    Also wenn man ein Steak scharf anbraten will, OK, aber sobald man wasserhaltiges Bratgut zugibt reduziert sich die Temp ja auf um die 100°, man muss die Pfanne mit Öl ja nicht ewig leer erhitzen. Und ich meine auch das stinknormale raffinierte Rapsöl, kein kaltgepresstes. Aber jeder wie er will, ich bevorzuge es halt wegen der Fettsäurenzusammensetzung. Damit ein paar palmfetthaltige Kekse ein Gegengewicht kriegen. ;-)

    Dass Bio-Palmöl soviel besser ist bezweifle ich stark. Der Flächenverbrauch ist im Endeffekt auch gegeben, Daboon zB hat auch keine zweifelsfrei weiße Weste bezügl. Landnahmen etc.
    *Und hier noch was zum “RSPO” Palmöl:
    http://www.regenwald.org/news/3454/palmoel-label-rspo-die-nachhaltigkeits-luege-ein-film-ueber-das-schmutzige-geschaeft-im-regenwald

  • [...] Als Veganer meidet man (logischerweise) Butter und landet somit meist bei Margarine, ergo auch bei Palmöl. Palmöl ist jedoch nicht ganz unkritisch, auch wenn ich es nicht so meide wie dies einige tun (siehe dazu auch den Beitrag >> Warum weiterhin Palmöl konsumieren). [...]

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