Monatsarchiv

Veganmania 2015 bzw. der Trouble in der Tierrechtsszene.

Letztes Jahr war für mich lange unklar, ob ich an die Veganmania gehen würde oder nicht. Das lag daran, dass am 13. September errechneter Geburtstermin meines dahin noch ungeborenen Babies war. Nun, BabyBoy wollte damals nicht zu früh kommen und somit war ich 2014 hochschwanger in Winterhtur an der Veganmania unterwegs.

Dieses Jahr war es für viele nicht sicher, ob sie gehen würden oder nicht. Das hatte aber andere Gründe als einen Kugelbauch. Seit einiger Zeit treibt die Diskussion um VgT und den Bliib Gsund Versand die Tierrechtsszene in zwei Richtungen auseinander. So fühlt es sich zumindest für mich an. Viele Vereine und Aussteller haben von der Teilnahme an der Veganmania abgesehen, weil Swissveg den kritisierten VgT nicht von der Messe ausschliessen wollte (> Stellungnahme Swissveg). Nach den Vereinen und Ausstellern taten es ihnen viele Veganer gleich und blieben von der Veganmania fern; so zumindest was ich im Internet, bzw. speziell in den verschiedenen Facebookgruppen dazu gelesen habe.

Wer nun nicht tief in diesem Hickhack schon mit drin ist und Bescheid weiss, hier ein Grobüberblick aus meinem Blickwinkel:

Bereits seit einigen Monaten hat sich in der veganen bzw. Tierrechtsszene eine Diskussion darüber entbrannt, ob und wie man den VgT an Aktionen teilnehmen lassen will. Die Website Indyvegan hat in mehreren Artikel darauf hingewiesen bzw. darüber hergezogen, die man zu Herrn Kessler zu stehen hat und was sie von allen Leuten hält, welche sich nicht klar von ihm distanzieren. Dadurch ist auch die Swissveg, bzw. vor allem Renato Pichler sehr in Verruf geraten. Tier im Fokus hat sich entschieden, den VgT von der Demo gegen die Schliessung aller Schlachthäuser auszuschliessen (> Stellungnahme TIF). Swissveg wurde mehrmals angegangen, den VgT von der Veganmania auszuschliessen; als Nebenschauplatz wurde dies auch vom Bliib Gesund Versand verlangt, welcher zum Grosskonstrukt der Sekte Universelles Leben gehört. Beide durften am Schluss teilnehmen (> Stellungnahme VgT).

In den Facebookgruppen ging es die letzten Wochen hoch zu und her. Ich habe vieles mitgelesen. Zu viel. Es ist mir total verleidet. Nicht weil die Diskussion nicht wichtig wäre. Aber ich glaube nach wie vor, sie hätte nicht auf dem Rücken der Veganmania ausgetragen werden sollen. Und: Beide kritisierten Vereine waren 2014 genauso mit dabei und damals schien es niemanden zu stören. Irgendwie riecht das zu stark nach einem lauten Gebrüll, angestossen durch Indyvegan, und vielen Mitläufern. Apropos Indyvegan – warum genau sind die eigentlich anonym? Hm…

Ich bin genauso für Tiere wie für Menschen. D.h. dass ich rassistische, antisemitische oder generell menschenhassende Parolen nicht toleriere. Herr Kessler hat sich scheinbar über den Tod eines Fischers gefreut; das ist definitv nicht richtig.
Genauso finde ich Sekten etwas sehr merkwürdiges, vor allem wenn sie ticken wie scheinbar die Sekte Universelles Leben es tut.

Trotzdem bin ich gestern an die Veganmania und hab’s total genossen!

Klingt jetzt oberflächlich, aber hoffentlich nur auf den ersten Blick: Ich bin in erster Linie Veganerin. Und deshalb freue ich mich über einen veganen Event, an welchem ich vegane Leckereien naschen und vegane Produkte kaufen kann. Ja, auch vom Bliib Gsund Versand. Deshalb finde ich weder den VgT noch die Sekte UL gut. Ich trenne das voneinander. An der Veganmania stellten über 60 Aussteller aus; 2 davon waren in der Kritik. Deshalb den Event komplett meiden? Das machte für mich keinen Sinn.

Ich finde es nach wie vor schade, dass dies alles in Bezug auf die Veganmania derart breit ausgetragen wurde, dass die ganze Sache es sogar in verschiedene Zeitungen geschafft hat. Dem Veganismus hat man dadurch sicher keinen Dienst erwiesen.

Ganz ehrlich: Stünde ich jetzt 4 Jahre weiter hinten und überlegte mir, Veganerin zu werden… ich wäre es wohl nicht geworden, hätte ich mich nun in der veganen Szene umgehört. Es hätte mir den Eindruck vermittelt, als ob dort nur gestritten wird und jeder irgendwie besser und veganer als der andere sein will. Es hätte mich auf gut schweizerdeutsch “total abgetörnt”. Schade, dass ein so cooler Anlass wie die Veganmania nicht von allen dazu gesehen wird wofür die Messe gedacht ist: Veganern einen schönen veganen Fresstag bescheren und Nichtveganern einen Einblick in das doch nicht so enthaltsame vegane Leben geben.

Aber wer weiss… vielleicht war alles gar nicht so duster wie es im Vorfeld schien. Als wir gestern gegen Mittag in Winterthur ankamen, waren auf jeden Fall schon eine Menge Leute zugange. Und es wurden, gemeinsam mit den Sonnenstrahlen, immer mehr. Lässig!! BabyBel und ich haben uns einen schönen “Mami-Tochter-Tag” gemacht und uns von Hörnli mit Käse und Apfelmus über Hot Dog zu den leckeren Glacé der Vegelateria über Muffins von Miyuko zu Berlinern durchgemampft. Ein wenig ein schlechtes Gewissen hatte ich ja schon, als meine sonst Zucker nicht so gewohnte Tochter abends meinte: “Papi Buuchweh.” Ooops.

Ich selber habe wenig Fotos gemacht; ich habe es einfach genossen, die Kleine mal wieder ganz allein für mich zu haben, mit dem einen oder anderen Besucher einen Schwatz zu halten und ansonsten die Veganmania zu geniessen. Mehr Fotos findet Ihr aber sicher bald auf der Facebook Seite der Veganmania.

Was den restlichen Trouble betrifft bin ich durchaus gespannt, wie es weitergeht. Ich hoffe: In die richtige Richtung. Dass wir gemeinsam an einem Strick ziehen, der in die Richtung weist, dass wir unserer Umwelt zeigen, dass vegan zu leben lässig ist und Spass macht.

12 comments to Veganmania 2015 bzw. der Trouble in der Tierrechtsszene.

  • Ulrike SZ

    Heisses Eisen angepackt und sicher vielen Leuten aus dem Herzen gesprochen. Kompliment, Cheesy!!

  • Steven

    Sehe, das auch so, wieso sollen Rassisten, Antisemiten, Umweltverschmutzer, usw. nicht gleichzeitig Veganer sein dürfen?
    Meiner Ansicht nach spricht auch nichts dagegen gleichzeitig Menschenhasser und Tierliebender zu sein.

    Da sollte man sich schon auf eine Sache konzentrieren, denn wenn man sich jetzt noch verpflichten muss auch in diversen anderen, völlig entfernten Bereichen ein “Gutmenschentum”-Zeugnis abzulegen, wirds verdammt eng für die Veganer… :D Und ausserdem kommt das dann ebenfalls schon einer Sekte gleich, welche von den “Ausschliessern” gerade kritisiert wird…

    So lange keine Propaganda Betrieben wird sollte jeder Veganer, egal welche Gesinnungen er sonst noch hat mitmachen und ausstellen dürfen.

  • cheesy

    Nun ja, ganz so einfach ist es wohl nicht Steven. Also grundsätzlich hast du recht. Beim Veganismus geht es per Definition eigentlich um das Wohl der Tiere. Und somit könnte man Menschenhasser sein ;-) Ich vermute, da Veganer halt oft auch sonst eher links und umweltschützend eingestellt sind, beisst es sich, wenn es denn mal einer nicht ist…

  • Steven

    Ich vermisse da immer wieder die von linken Kreisen hoch geschriene TOLERANZ. ;)

  • cheesy

    Wer sagt, dass linke tolerant sind?

  • Steven

    Das schreien sie selber die ganze Zeit. Toleranz gilt dort aber anscheinend nur, so lange alle die selben Ansichten haben und hört auf sobald jemand mal anderes gerichtete Ansichten hat, wie man bei dem klatsch um den VgT schön sieht…

  • Das geht doch gar nicht Rechte oder sogar Befreiung für Tiere fordern und gleichzeitig dies für Menschen nicht zu fordern oder sogar auszuschließen.

    Klar dürfen Rassisten auch Veganer*innen sein, aber ich dulde die doch nicht auf einer Demo oder einem Event neben mir.

  • cheesy

    Für mich gilt nach wie vor das oben geschriebene:

    “Ich bin in erster Linie Veganerin. Und deshalb freue ich mich über einen veganen Event, an welchem ich vegane Leckereien naschen und vegane Produkte kaufen kann. Ja, auch vom Bliib Gsund Versand. Deshalb finde ich weder den VgT noch die Sekte UL gut. Ich trenne das voneinander. An der Veganmania stellten über 60 Aussteller aus; 2 davon waren in der Kritik. Deshalb den Event komplett meiden? Das machte für mich keinen Sinn.”

  • Ich frage mich warum die Veranstalter*innen der Sekte eine Bühne bieten. Gibt doch genug andere Aussteller*innen. Ich finde das macht die vegane Bewegung genau so kaputt wie Veganes vom Fleichkonzern kaufen. Ich finde wir müssen mir gutem Beispiel voran gehen und so konsequent wie möglich sein.
    Wie sieht es denn für Leute die wir dazu bewegen wollen kein Fleisch mehr zu essen aus, wenn wir in der Mitte von Reichsbürgern, Nazis und religiösen Spinnern stehen?

    Damit möchte ich nicht die genannten Orgas im speziellen bezeichen, aber das mit dem hauptsache für die Tiere geht ja über eine Sekte weit hinaus.

  • cheesy

    Ich glaube, ich verstehe deine Ansätze schon durchaus. Aber ich verstehe nicht, wie etwas im Jahr zuvor ohne eine einzige Gegenstimme noch völlig okay war und im Jahr danach – ohne dass sich an den besagten Firmen was geändert hätte – alles auf einmal soooo schlimm ist?! Für mich sieht die ganze Sache effektiv nach einem bewusst gewollten Split der veganen Szene aus. Und das vermutlich nicht mal von Veganern?

    Ob die vegane Bewegung wirklich daran kaputt geht, wenn man Veganes vom Fleischkonzern kauft weiss ich nicht. Aber durch Borniertheit und Pingeligkeit gewinnt man sicher keine zusätzlichen Veganer.

  • Borniertheit und Pingeligkeit meine ich nicht ;-) . Ich finde Konsequenz wichtig.
    Mit Sicherheit schaut die Fleischlobby auf die Vegane-Bewegung, umso wichtiger ist das was ich geschrieben habe.

    Übrigens verdrängen die Fleischkonzerne momentan die veganen Firmen aus den Supermarktregalen, und dies nicht weil die Produkte besser sind, sondern weil sie mehr Geld haben und die Plätze kaufen.
    Und nein, sie denken nicht in die Richtung umzustellen auf vegan, sondern mit veganen Produkten extra Geld zu verdienen. Die Schlachtzahlen sinken ja nicht.
    Aber dies ist ja ein anderes Thema.

  • cheesy

    Ja, ich hätte in der Tat auch lieber Produkte von veganen Firmen. Ich sehe aber auch den Vorteil darin, dass es ÜBERHAUPT mehr vegane Produkte in den normalen Supermarktläden gibt. Veganismus wird dadurch nicht mehr in die «Besonderheiten-Ecke» geschoben sondern kommt raus aus den Bioläden, mitten ins Leben.

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