Monatsarchiv

Warum hat mich niemand gewarnt?

Ich war ja sehr lange der Typ Frau, der sich selber so gar nicht feminin fand. Früher dachte ich, dass ich im Anzug heiraten werde (falls denn überhaupt). Kinder? No way. Und was geschah? Mein Mann trat in mein Leben und veränderte so einiges. Oder vielleicht hat er es gar nicht verändert, er hat nur geweckt, was längst in mir war. So auch – für mich sehr überraschend – den Kinderwunsch. Ich bin überaus dankbar, dass ich zwei Kinder an meiner Seite haben darf, die mir anvertraut wurden. Es gibt tausend Momente, in denen mein Herz vor Liebe platzt. Wenn sie in meinen Armen liegt, mich fest drückt und sagt: “Mami ganz fescht gärn!” Wenn ich die beiden aus der Kita hole, er mich sieht und mit ausgestreckten Armen auf mich zurennt. Wenn meine Kinder mit meinem Mann und den Grosseltern spazieren gehen, damit s Christkind kommen und die Geschenke bringen kann, sie dann voller Erwartung mit riiiiesigen Augen zurückkommt und mich fragt: “Mami, Christchindli do gsi?”, sich zackig aus Jacke und Schuhe schält um zum (kleinen und künstlichen, aber nichts desto trotz tollen) Weihnachtsbaum zu rennen und ob der Bescherung zu staunen.

IMG_1823 baum

Das Gefühl von Familie ist unbeschreiblich und mir zuvor völlig fremd. Es lässt sich mit nichts vergleichen. Genau wie die Liebe, die man zu seinen Kindern empfindet. Ich liebte schon zuvor. Meine Eltern. Meinen Mann. Meine Katzen. Aber das ist anders. Es ist… selbstloser. Und genau das muss es wohl auch sein: Ansonsten man den 24×7 Job nicht machen würde! *rofl*

Apropos… genau zu diesem Thema wurde eine fiktive Stellenausschreibung erfunden – danach aber reale Vorstellungsgespräche geführt. > Hier der Link zum Youtube-Video mit deutschen Untertiteln.

Okay, ich habe insofern das Glück, mir die Arbeit teilen zu können. Gut, vielleicht sogar mehr als teilen, da mein Schatz einfach einmalig goldig ist und sehr viel macht. Nichts desto trotz hatte mich keiner vorgewarnt, was es heisst, Kinder zu haben. Und das ist mehr als nur das grausame Gefühl, das Herz ab jetzt ausserhalb des eigenen Körpers zu tragen! Es heisst: Auf einmal an letzter Stelle zu kommen. Mit sämtlichen Bedürfnissen. Auch mit aufs Klo gehen. Es bedeutet, zumindest in den ersten Jahren: Vergiss verhängte Sonntage im Pijama, ausschlafen, bzw. generell schlafen. Gemütliche Abendessen am Tisch mit Gesprächen? Weder gemütlich noch Gespräche, manchmal sogar ohne Essen. Ferienplanung (aktuell!) heisst nicht mehr: Wo gibts die tollste Suite mit dem ruhigsten Pool und dem schönsten Strand, sondern: Wo hats am meisten Kids, Kinderpool und einen flachen Sandstrand. Davon, dass (nicht nur) der Bauch hängt und die Schwangerschaftskilos als Erinnerung an die Schwangerschaft unbedingt bleiben wollen rede ich mal gar nicht. Die langen Haare sind nicht zuletzt den Kindern zum Opfer gefallen ;-) Zeit zum föhnen? Forget about it.

paar

War ich früher bzw. bin ich eigentlich immer noch ein Morgenmuffel, so bleibt mir nun doch nichts anderes mehr übrig als bereits um halb 7 soweit handlungsfähig zu sein um ein sich vollgek… Kind aus seinen Kleidern zu befreien und gleichzeitig Kind 2 zu besänftigen versuchen, damit es nicht noch mehr schreit weil es (ganz die Mama) mit dem falschen Fuss aufgestanden ist. Nach einem harten Arbeitstag (deren es dieses Jahr viel zu viele gab) nach Hause kommen und die Beine hochlegen? 5 Minuten. Wenn Schatz mich lässt länger. Aber selbst wenn er mich lässt – das heisst nicht, dass die Kinder das akzeptieren. Nein Mami hier, Mami da, JETZT!

Püüüüüh… es hatte mich keiner gewarnt!

Gut… denn sonst hätte ich es nicht gemacht. Und hätte verdammt viel verpasst! ♥

3 comments to Warum hat mich niemand gewarnt?

  • hmmm… Keine Zeit mehr für nix, aber zum blog schreiben reichts dann doch noch? :P (sorry, konnte ich mir nicht verkneifen…)

    Zur Vorwarnung: Natürlich wurdest du vorgewarnt, denn du weisst vielleicht noch wie es war als DU selbst ein Kind warst und hast die Mühen deiner Mutter erst als Erwachsene verstanden und (rückblickend) geschätzt… ;) – Also ICH weiss noch was für ein Kind ich war – möglicherweise auch ein Grund weshalb ich mich bis jetzt mit dem Thema selber Kinder kriegen nicht im geringsten anfreunden kann… :D

    Und stell dir vor, es gibt auch Mütter mit 5 Kindern und _keinem_ Mann (aber ebenfalls mit kurzen Haaren *g*). Ich denke, da ist es Zeit noch einmal dankbar zu sein… ;)

  • cheesy

    Na EIN Hobby sei mir (nebst Kindern :-P ) doch wohl noch vergönnt, oder? :-)
    Und nein, ich weiss definitiv nicht mehr, wie es und ich war als ich 2 Jahre alt war.
    Dass ich dankbar bin, kommt hoffentlich rüber oder? Wobei ich auch nicht verstehe, wie man 5 Kinder machen kann und dann ohne Mann dasteht, aber gut, ich sollte und will auch nicht urteilen.

  • Eveline

    Das hast du sehr schön und passend geschrieben! Auch der Film war wunderbar, vielleicht an manchen Stellen etwas übertrieben, aber so ungefähr passt es wohl rein. Das erklärt wohl manchmal, wieso einem manche kinderlose in gewissen Situationen nicht verstehen.

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