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Verdrülltes extrem.

Als ich vor nun mehr über 5 Jahren startete, vegan zu leben, durfte ich mir so einiges anhören. Viel zu viel für sensible Cheesy-Öhrchen eigentlich. Nicht, dass ich mitgezählt hätte. Aber kumuliert dürften folgende Aussagen das Rennen gemacht haben:

Veganer (du) sind ja so extrem.
Veganer (du) nerven mit ihrem missionieren.

So sitze ich also da in meiner ‘neuen’ Arbeitsumgebung, esse stillschweigend mein Sojajoghurt und höre kommentarlos zu, wenn von leckeren Steaks gesprochen wird. Ich schweige, wenn über den angelieferten Lachs zu Weihnachten Witze gerissen werden und trinke meinen Pflanzenmilchkaffee. Ich esse mein veganes Mittagsmenü während meine Arbeitskollegen sich über Tiere lustig machen.

Als mein Chef mich fragt, ob ich gerne Berliner habe und ich sage, ja natürlich, nur leider sind sie meistens nicht vegan und er mir dann trotzdem einen anbietet, so von wegen Ausnahme machen… ja, selbst dann bleibe ich freundlich und beisse auf die Zähne. Und auch wenn der Arbeitskollege ein Znüni mitbringt und dann ganz erstaunt meint: “Ooooh das kannst du wohl nicht essen gell, wenn Milch drin ist? – aber die Mango, die geht, oder? Oder nein, warte, da sind ja vielleicht auch kleine Tierchen dran – hahahahaha…”. Ja, ich bleibe cool und denke mir meinen Teil. Denn ich will nicht als extrem gelten, will weder nerven noch missionieren.

Aber Hand aufs Herz. Läuft hier nicht etwas gewaltig schief?

2 comments to Verdrülltes extrem.

  • Nun, wenn ich mich jeweils selber beobachte hab ich mir folgende Überlegungen gemacht:

    1) Die meisten meinen es nicht “bös”, sondern denken einfach zu wenig nach bevor sie was sagen. Wie schnell sagt man z.B. auch mal so was wie: “Das ist ja voll schwul…” – Ohne zu überlegen ob tatsächlich jemand schwul ist in der Gruppe. Und das obwohl man gar nichts gegen Schwule hat…

    2) Über “Minderheiten” wurden schon immer Sprüche gerissen, z.B. nebst den erwähnten Schwulen/Lesben auch Dunkelhäutige, Blondinen, Polyamore, Arme, usw. – Meist denkt sich der “Sprücheklopfer” auch nix böses dabei, es rutscht halt einfach “aus Gewohnheit” raus…

    3) Im Rahmen der Gesellschaftlichen Entwicklung haben die meisten Menschen angefangen andere Menschen welche nicht in die Matrix passen und irgendwie “anders” sind als die “grosse Masse” auszugrenzen oder zu bemitleiden, “man solle doch wieder mit dem Strom schwimmen”. Dies vermutlich, weil eben die meisten Menschen angt vor Veränderung haben.

    Und falls es dich tröstet: Ich werde auch regelmässig gefragt wieso ich denn keine Familie gründen, mich festsetzen wolle, warum ich es noch “nötig” hätte jedes Wochenende in den Ausgang zu gehen und wann ich gedenke etwas gegen meine “Bindungsangst” zu unternehmen oder “Verantwortung übernehmen” wolle… Diese Menschen können es schlicht nicht verstehen, warum ich “aus dem Strom ausbreche” und nicht einfach auch das mache, “was man so macht”… ;)

  • cheesy

    Du hast absolut recht damit, Steven. V.a., dass Menschen, welche nicht in die Patrix passen, ausgegrenzt oder bemitleidet bzw. eben runtergeputzt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass du das – wenn auch auf ganz anderer Ebene – erlebst. Definitiv auch nicht einfach!

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