Monatsarchiv

Veganismus ist eine (schwere) Lebenseinstellung.

Ich lebe bald seit 6 Jahren vegan. Und eigentlich sollte ich langsam wissen wie das funktioniert in meinem Leben. Wenn ich mich schön ruhig verhalte, angepasst und ruhig für mich “mein veganes Ding” durchziehe, reibe ich am wenigstens mit anderen Leuten, habe seltener Diskussionen, werde kaum angegriffen. Ich leiste dann in meinem eigenen kleinen Gärtchen meinen Beitrag und gut ist. Die Nerven werden geschont, Zeit gespart… erreicht aber eben leider auch nichts.

Und dann gibt es Zeiten, in denen in mir das Feuer des Aktivismus wieder entflammt und ich das Gefühl habe, mehr tun zu müssen. Für diejenigen unter uns, die keine laute Stimme haben. Oder eine, die nicht verstanden wird. Dann gehe ich auf die Strasse, demonstriere mit, verteile Flyer, suche das Gespräch, blogge wieder mehr. Regelmässig knallt’s dann.

Selbst in Zeiten, in denen ich mich ruhig verhalte, passiert aber nicht nichts. Nein. Inzwischen wird in jeder Comedyshow (die ich besucht habe) das Thema Fleischessen/Veganismus mindestens kurz angekratzt. Echt jetzt! Es vergeht keine Woche ohne einen (meist saudämlichen) Artikel zum Thema Veganismus. Aktuell in der BAZ zu lesen: Veganer sollten sich mit ihrem Anliegen eines veganen Menüs in Kantinen nicht ans Volk sondern an die Meldestelle für Menschen mit einer Behinderung wenden. Ja, stimmt wirklich, kein Fake.

Wenn ich in einer ruhigen Phase dasitz und still mein veganes Essen ess… kommt garantiert einer dahergelatscht der mich darauf anspricht und ich zum gefühlten 100’000x erklären muss, warum ich vegan lebe, ob ich alle Nährstoffe erhalte, ob meine Kinder später mal selber entscheiden dürfen (die Frage kommt mindestens 1x die Woche!). Der Unterschied zur aktiven Phase ist gar nicht so frapant, lediglich die Wortwahl angriffiger. Aber immer wird von mir erwartet zu schlucken, zu schweigen. Demut liegt nicht mir so sehr, speziell nicht in diesem ungerechten Fall.

Nun denkt ihr vielleicht: Was soll’s, legt sich das Cheesy halt mit anderen an, was erwartet sie denn mit ihrem Auftreten auch anderes, da muss sie stark sein und drüber stehen. Tja, recht habt ihr. Aber was, wenn ich es doch nicht kann? Was wenn ich zu wenig Energie habe um derart in meiner Mitte zu sein, dass alle Vorwürfe einfach von mir abprallen? Was dann? Was nützt es dann, zu sagen, ich soll nicht so weinerlich tun? Warum muss ich stark sein?

Wer den veganen Weg geht kriegt immer wieder zu hören, dass es religiös anmutet, fanatisch, extrem. Seit Jahren versuche ich zu erklären, dass die Art, wie wir mit Tieren umgehen, derartiges Leid mit all seinen katastrophalen Folgen in alle Richtungen (Umwelt, Ressourcen, Menschenwohl usw.) das ist, was mich berührt. Es ist kein Glaube, es sind belegte Tatsachen. Wer sich diesen nicht mehr aus lauter Gewohnheit (“Wir haben das immer schon so gemacht”) verschliesst, dem tut es halt nun mal weh, wenn er tagtäglich mit diesem Leid konfrontiert wird. Veganismus ist eine Lebenseinstellung, die schwer nur im eigenen Kämmerchen gehandhabt werden kann. U.a. genau deshalb, weil es zu viele Schnittstellen mit der Aussenwelt gibt, zu oft von extern an einem herangetragen und vorgeworfen wird.

Ich dachte die vergangenen Monate, ich hätte Kraft, mich aktiv der Tierrechtsszene anschliessen zu können. Aber ich habe seither wieder soviel Gegenwind erhalten, dass mir die Luft ausgeht. Nur, was nun? Selbst wenn ich wieder ruhig und still für mich vegan lebe… lassen mich dann auch alle in Ruhe? Und: Wird die Welt für die Tiere dann besser? :-(

5 comments to Veganismus ist eine (schwere) Lebenseinstellung.

  • Hi, Ich hatte vergessen, den NL für diese Seite abzubstellen, also bekommen wir beide nochmals die volle Breitseite. Versuch es mit Humor zu nehmen – for a change?

    Du reklamierst ständig, dass du ja gar nie “missionierst”, dir das aber ständig (zB. von mir) unterstellt würde. Und dann schreibt sie:

    “erreicht aber eben leider auch nichts.

    Und dann gibt es Zeiten, in denen in mir das Feuer des Aktivismus wieder entflammt und ich das Gefühl habe, mehr tun zu müssen. Für diejenigen unter uns, die keine laute Stimme haben. Oder eine, die nicht verstanden wird. Dann gehe ich auf die Strasse, demonstriere mit, verteile Flyer, suche das Gespräch, blogge wieder mehr. Regelmässig knallt’s dann.”

    Ich weiss nicht, wie man solches Verhalten in deiner Welt nennt. Offiziell ist das die Definition von “Missionieren”.

    Ja, und dann “knallts” halt – so what? Du sendest und sendest und sendest – und dann knallts halt mal? Kenne ich selber. Was erwartest du? Weltweiten Applaus? Dein Anliegen hätte es verdient, deine Vorgehensweise aber nicht. Und du bist auch nicht die Einzige, die mit Widerstand – auch teils sehr hässlichem – umzugehen hat. Ja, es gibt voll die Arschlöcher wie mich, die einfach nicht derselben Meinung sind, auch nicht “hurra” rufen. So what? Nimm entweder vielleicht etwas mit, was diese bösen Andersdenkenden sagen – oder lass sie links liegen, oder knall sie aus deinem Leben. Ist doch an dir?

    Und dann wieder Mimimimimi: “Nun denkt ihr vielleicht: Was soll’s, legt sich das Cheesy halt mit anderen an, was erwartet sie denn mit ihrem Auftreten auch anderes, da muss sie stark sein und drüber stehen. Tja, recht habt ihr. Aber was, wenn ich es doch nicht kann? Was wenn ich zu wenig Energie habe um derart in meiner Mitte zu sein, dass alle Vorwürfe einfach von mir abprallen? Was dann? Was nützt es dann, zu sagen, ich soll nicht so weinerlich tun? Warum muss ich stark sein?”

    Liebe Cheesy – was soll diese Frage? Lies, was du geschrieben hast? Wenn du dich mit andren anlegen willst, rechne mit Bugschüssen. Und wenn du damit nicht umgehen kannst, halt den Mund. So einfach. Ich wünsche mir nicht, dass du den Mund hältst – ich wünsche mir nur, dass du endlich mit Reaktionen auf deine mitunter sehr einseitige Haltung umzugehen lernst. Es ist doch so einfach: Wenn du agieren möchtest, musst du – in jedem Bereich – mit Widerstand rechnen (und nicht jeden Widerspruch ständig als “Vorwurf” abkanzeln). Oder ok, mal so rum gefragt: Was hättest du denn gerne, wie die Leute reagieren sollen? Hm?

    Und du meinst wirklich, nur Veganer hätten in der Gesellschaft einen “schweren” Stand? Gosh, Cheesy – du bist bisweilen weiter weg von unserem Planeten als Pluto.

    Ich werde dich auch nie wieder belästigen, aber der NL zu diesem Beitrag erreichte mich ein letztes Mal – und da ich dich eigtl. immer mochte … Aber ich sollte inzwischen gelernt haben, dass Gespräche mit dir leider nichts als Stress und deinerseits Verächtlichkeiten bringen, sofern man nicht einer Meinung mit dir ist.

    Dennoch von Herzen meine besten Wünsche: Denk doch einfach mal genauer nach über das, was du selber schreibst/fragst – du würdest die Antworten in dir finden. In der psychologischen Lehre nennt man das auch Projektion ;-)

    Alles Gute.

  • Zuerst möchte ich auf die Kolumne in der BaZ eingehen: Ja, der Beitrag von dem Author war kacke. Und ist dir aufgefallen, dass er im gleichen Atemzug auch Behinderte angreift? Du liesst irgendwas negatives von irgendeinem niemand über Veganer und drehst gleich im roten Bereich… Auch bei dem Comedy Shows, die ziehen gleichermassen auch über andere “Gruppen” her, wie Schwule, Männer, Frauen, Autofahrer, Zugfahrer, Mütter, usw. Und glaub mir, eine extreme Feministin beispielsweise, wird sich bei irgendeinem “Frauenwitz” genauso angegriffen fühlen wie du bei “Veganer-Witzen”.

    Das dein Engagement nichts bringt würde ich nicht so pessimistisch sehen, immerhin ist der Trend zur Vegane-Lebensweise frappant steigend, wenn du die Situation mit vor einigen Jahren vergleichst. Klar, dazu haben auch die “Hipster” (oh, nebenbei ich liebe Anti-Hipster-Sprüche :D ) dazu beigetragen, aber ob die sich nicht doch auch von der Veganen-Bewegung beeinflussen liessen?

    Mir fällt bei deinen Beiträgen auch immer wieder auf, dass du dich für den “Veganen Weg” quasi “aufopferst” und dann wenigstens “Anerkennung von der Welt” haben möchtest. Aber von wem? Von anderen Veganern, kriegst du die bereits, von Vegetariern teilweise auch noch. Doch was möchtest du nun von jemandem hören der Fleisch essen will? Etwa: “Ich seh ein, dass ich der letzte Dreck bin, weil ich Fleisch essen mag und es tut mir so leid, dass ich nicht mein ganzes Leben der Ernährung widmen will, für ein Lebenswerk, dessen Auswirkungen -wenn überhaupt- erst nach meinem Ableben spürbar sind.”?

    Ich finde es einerseits heroisch bewundernswert, was du auf dich nimmst um die Welt für Tiere besser zu machen und andererseits bist du auch der Beweis dafür, dass eine vegane Lebensweise nur funktioniert, wenn man sein ganzes Leben danach richtet. Ich kann jeden verstehen, der das nicht auf sich nehmen will. Genauso übrigens auch in anderen Bereichen: Man macht vielleicht mal eine Spende an eine Hilfsorganisation, aber das wars dann schon. So richtig seine Lebenszeit opfern um aktiv zu helfen, mag fast niemand. Irgendwo ein Erdbeben? Tsunami? Klar, ich spende ein paar Franken. Vor Ort bei den Aufräumarbeiten helfen? Och nö, irgendwie doch keine Zeit und Lust. Aber ich find das ganz toll, wenn andere das machen!

    Und wenn andere Leute dich zu deiner Lebensweise befragen wollen sie dich meist auch nicht “runter machen”, viele Menschen sind einfach neugierig. Ich selbst bin ja durch deinen blog immer bestens informiert ;) , aber würde ich den nicht mitverfolgen wüsste ich auch viel weniger über deine vegane Lebensweise und würde vielleicht auch fragen stellen, die du schon 1000 Mal gehört hast. Nicht weil ich selbst auch so Leben möchte, sondern einfach weil es mich interessiert und ich mehr über dein Leben wissen möchte.
    PS: Ein (Nerd-)Tipp dazu: Stelle eine FAQ-Seite auf und beantwortest dort alle Fragen, welche immer wieder gestellt werden. Dann lässt du für ca. 20.- Visitenkarten drucken, wo einfach nur die Adresse drauf steht (z.B.: cheesy.ch/faq) und händigst diese bei jedem der fragt aus. ;)

    Wie du siehst, erreichst du mit deiner Stimme schon was! Und ich bewundere dich wirklich, wie du dich für die Tiere einsetzt und welche Opfer du dafür erbringst!
    Doch das damit erreicht werden kann, dass die gesamte Menschheit, oder auch nur die Schweiz “veganisiert” is(st), wird zu unseren Lebzeiten wohl genau so unwahrscheinlich sein, wie der Weltfrieden…

  • cheesy

    Lieber Steven

    Nurz kurz – weil es mir nämlich gerade wirklich sehr gut tut, mich aus Diskussionen rauszuhalten… Ich habe bereits FAQs da oben… http://www.cheesy.ch/blog/?page_id=7396 :-P Und wenn jemand wirklich interessiert ist und von sich aus ernsthaft was gscheites fragt, stehe ich nach wie vor Rede und Antwort. Aber glaub mir, die wenigsten Menschen wollen wirklich was wissen (es gibt sie, ja, aber selten), die meisten wollen was anderes…

  • dranbleiben

    Danke für deine Arbeit!

  • cheesy

    Gern geschehen :-)

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