Monatsarchiv

ICH BIN EXTREM.

Ich kann gar nicht so hoch zählen, wie mir in den vergangenen Jahren der Satz «…das ist aber extrem…» wahlweise auch als «…du bist aber extrem…» an den Kopf geworfen wurde. Dies teilweise durchaus etwas verständlicher aus einer Situation heraus, welche ich durch meinen Aktivismus insofern herausgefordert habe. Oft jedoch auch während ich mich komplett passiv verhielt. Ausser man zählt dasitzen und sein veganes Mittagessen einnehmen als aktiv.

Ich lebe nun seit bald 6 Jahren vegan. Viel ist passiert in dieser Zeit! Was sich bei den Lebensmittelgrosshändlern getan hat ist famos. Zu meinen Startzeiten musste ich für Milchalternativen – man verzeihe mir und verklage mich nicht, dass ich der einfachheithalber doch das Wort «Milch» gebrauche – noch in Bioläden rennen. Heute hat Coop, Migros und Konsorte eine grosse Auswahl an Reis-, Hafer-, Soja- und Mandelmilch. Dasselbe gilt für Fleischalternativen, Käseersatz u.v.m. Mich freut das sehr! Desto einfacher es ist, sich vegan zu verköstigen, desto eher probiert man es doch auch einfach mal aus. Desto unkomplizierter der Veganismus wird, desto gesellschaftsfähiger. In diesem Sinne: Weiter so, go go (vegan)!

Es scheint, als ob der Veganismus salonfähig geworden ist. Aber man irrt. Ich kann die Zeitungsartikel zum Thema Veganismus inzwischen nicht mehr zählen. Vegan ist in aller Munde, ähm, eher nur Auge bzw. Ohr. Es gibt immer wieder mal eine sinnige Berichterstattung, Zeilen, die auch mich zum nachdenken bringen. Dem Grossteil geht es jedoch lediglich darum, den veganen Weg in den Dreck zu ziehen. Angstmacherei, Falschaussagen (haha, Fake News auch hier), Ernährungsberater, die keine Ahnung von Ernährung haben, von Fleisch- und Milchverbänden gekaufte Gesellschaften, die der Schweiz erklären, was eine gesunde Ernährung ausmacht.

Als ich damals 2011 beschloss, 30 Tage veganes Leben auszuprobieren, war meine Welt noch eine andere. Nicht nur weil ich unverheiratet und kinderlos war. Vielmehr auch, weil der Vegi inzwischen nicht mehr DER mega Exot war und man durchaus spontan irgendwo was essen gehen konnte – und was auf der Menükarte fand. Den Schritt zum Veganismus habe ich nicht gemacht, um mir mein Leben zu verkomplizieren (was es dann aber durch wurde).

Ich lebe vegan, weil ich überzeugt bin, dass wir alle eine Seele haben (sind) und keiner mehr Wert ist als der andere.

Weder Menschen irgendeiner Art, Nationalität, Geschlechtes etc. noch Tiere.
19222768_1120567211380483_3716839913590104455_o

Ja, mir ist bewusst, dass ‘nur’ veganes Leben nicht der Weisheit letzter Schuss ist. Da gibt es noch so viel mehr zu tun! Ich verschliesse nicht die Augen vor den restlichen Weltproblemen und ich gebe mein Bestes auch in anderen Bereichen. Die Energie lässt nur manchmal nicht alles auf einmal zu und bei gewissen Themen bin ich sicherlich auch noch zu wenig informiert. Veganismus ist im Vormarsch – vor den Informationen, wie es um unsere sogenannten Nutztiere steht und dass Kühe nun mal eben nicht einfach so Milch geben und männliche Küken gesext werden kann sich keiner mehr schützen. Man weiss es heutzutage einfach. Andere Themen sind weniger bekannt und mir insbesondere vielleicht speziell.

Information ist das A und O. Das ist der Grund, warum ich diesen Blog seit so vielen Jahren trotz dem teilweise massiven Gegenwind weiterführ(t)e. Anfänglich hatte ich meinen eigenen Blog-Troll! Ach warst du amüsant, «Bauer Nelly», schade hast du so bald aufgegeben. Ich erinnere mich noch, dass du behauptet hast, mein veganes Ding sei sicherlich in einem halben Jahr vorbei. Du solltest dich geirrt haben.
Nach dem Blog-Troll kamen Leute dazu, die sich informieren wollten, informieren liessen. Danke euch allen! Es gab auch Leute, die mir mehr oder weniger direkt mitteilten, was sie von meinem veganen Dings da hielten und ich versuchte eigentlich immer mit möglichst sachlichen Argumenten darzulegen, warum der Veganismus kein Angriff auf ihr Leben ist, der Konsum von tierischen Produkten aber eben ein Angriff auf das Leben der Tiere. Es ist schwierig, so etwas wie die vegane Lebenseinstellung zu erklären, ohne dass sich das gegenüber, welches nicht vegan lebt, angegriffen fühlt. Ich habe es versucht. Immer und immer wieder. Ich habe Ewigkeiten vor Texten und Antworten gehockt um am Schluss die immer selben Sätze vorgeworfen zu kriegen: Missionarisch, beleidigend, anmassend, extrem.

Extrem. Ein tolles Wort. Kann man super brauchen für alles was man nicht versteht und geht in jeglichen Kombinationen. Ich habe bisher versucht, das Wort zu vermeiden, weil ich es als Ende einer Unterhaltung ansehe. Aber da dieser Beitrag nun genau als das zu verstehen ist, darf ich nun nachholen, was ich immer geschluckt habe:

Ich bin extrem erstaunt darüber, dass so viele Fakten einfach belächelt, ignoriert oder als Fake abgetan werden.
Ich bin extrem fassungslos über die Diskussionen, die ich geführt habe, die ich führen muss und die ich noch führen werde.
Ich bin extrem entsetzt über diese Welt, wie sie funktioniert, wie Menschen mit Menschen umgehen, wie Menschen mit der Welt umgehen, wie Menschen mit Tieren umgehen.
Ich bin extrem traurig darüber, so wenig bewirken zu können, zusehen zu müssen, wie die Heimat meiner Kinder zerstört wird und zugrunde geht und alle darüber lachen.
Ich bin extrem müde, ausgelaugt, erschöpft, kraft- und mutlos.
Ich habe extrem viel nachgedacht in den letzten Wochen. Jüngste Ereignisse gaben mir den letzten Kick um diesen Schritt zu tun. Nichts geschieht ohne Grund.

Ich verabschiede mich an dieser Stelle von euch. Ich höre natürlich nicht auf, vegan zu leben! Aber ich höre auf zu bloggen.

Ich danke euch Lesern für die gemeinsame Zeit, für den teilweise gemeinsamen Weg, für euer Interesse und für eure wertvolle Kommunikation. Es ist mir eine Ehre, dass ihr meine Followers ward 😊

Wie es in der Grafik oben steht… das Cheesy ist nicht nur Veganerin. Das Cheesy ist auch Frau, Mami, Mensch. Und diesem Leben widme ich mich jetzt.

Wer mich lieb gewonnen hat und nicht komplett aus den Augen verlieren will, Blog hin oder her:
Meine (auch viel länger bestehende) ursprüngliche Website bleibt:
Cheesy’s Welt mit Reiseberichten und Fotos. Hier kann man sich gerne im >> Newsletter anmelden.

2 comments to ICH BIN EXTREM.

  • Schade, dass du wegen zu vielen blöden anmachen aufhörst zu bloggen… :-(

    Auch wenn ich nicht immer derselben Meinung war, habe ich dein Blog immer mit Interesse gelesen. Einige Beiträge haben mich zum nachdenken gebracht und ich hab von deinen Texten in meinem Freundeskreis erzählt und wiederum Leute zum nachdenken angeregt…

    Auch wenn es die “grosse Revolution” wahrscheinlich zu unseren Lebzeiten nicht geben wird: Vegan ist mittlerweile in aller Munde und sogar die Grossverteiler bauen ganze Märkte auf Vegetarisch und Vegan auf! Ich denke, auch das ist schon was erreicht…! Ich könnte mir gut vorstellen, dass “vegan” nie so “IN” geworden wäre wie es heute ist, ohne die Pionierarbeit der Vegis. Selbst wenn nicht jeder 100% Vegetarisch oder Vegan leben möchte, auch “ein bisschen” ist schon was.

    Einer der Gründe übrigens, warum trotz mehr Schweizern, die sich Fleischlos ernähren der Fleischkonsum in der Schweiz “stabil” bleibt liegt darin begründet, dass in den letzten Jahren auch sehr viele Menschen aus Ländern denen das Tierwohl völlig egal ist, wie Osteuropa oder Arabien eingereist sind und entsprechend den gesunkenen Fleischkonsum wieder in die Höhe treiben…

    Nichtsdestotrotz kann ich deine Entscheidung nachvollziehen und hoffe in Zukunft vielleicht auch wieder Blogeinträge zu deinen anderen Lebensthemen: Frau, Mami, Mensch zu lesen. ;)

  • cheesy

    Och nicht nur deshalb… ich merke einfach, dass ich mich zu sehr verzettel und zuviel Energie verbrauch an Orten, wo ich zur Zeit wenig bewirke…

    Zu letzterem Absatz sag ich nix, gell, weisst…

Leave a Reply

  

  

  


*

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>