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Piercing

Ich und meine Piercings


Ein jedes meiner Piercings hat für mich eine bestimmte Bedeutung.
Ist an Geschehnisse oder Personen gebunden.
Erinnert mich an eine Zeit. An Gefühle.
Viele meiner Piercings haben mir schon Ärger verursacht. Waren Gesprächsstoff.

Egal Keines davon würde ich hergeben. Egal wer es verlangen würde.


Piercing

So sehe ich zum Glück nicht aus und das ist mir auch etwas zuviel des Guten. Ansonsten finde ich Piercings aber einfach cool.
Das ist auch mit ein Grund warum ich Melanie angebaggert hab, dass ich die hier stehenden Infos verwenden darf. Die gehören nämlich zu ihrer Abschlussarbeit und sie stellt sie mir zur Verfügung. Mille grazie!

Hin und wieder erhalte ich Mails mit Fragen, die eigentlich an ein Piercingstudio gerichtet sein sollten. Deshalb hier noch mal klar:

Ich bin keine Piercerin, kein Piercinggeschäft noch hab ich sonst detaillierte Kenntnisse die über Eure eigenen hinausgehen!

Ich mag Piercings lediglich für mich selber und natürlich an anderen, that's it...

Btw.: Um konkreter zu werden: Ich selber habe 8 Ohrringli, einen Nasenring, ein Augenbrauenpiercing, ein Zungenpiercing und nun neu seit 2010 endlich das lang ersehnte Bauchnabelpiercing.


Piercingfisch

Übersicht

1. Piercings sind Bodyart
2. Die Definition
3. Die Wahl des Studios
4. Das Anbringen des Piercings
4.1. Schmerzen?
4.2. Ein Wort zu Betäubungen
4.3. Die Ohrlochpistole
5. Wie wird richtig gepflegt?
5.1. Die Wundheilung
5.2. Abstossen des Schmuckes
6. Für Piercings geeignete Stellen
6.1. Ohrpiercings
7. Piercingschmuck
7.1. Die Dehnung
7.2. Sterlisieren & Desinfizieren
8. Tipps für Einsteiger

 

1. Piercings sind Bodyart

Piercings sind Bodyart - eine Art und Weise den Körper zu verschönern und zu schmücken. Tätowierungen, Brandings, Cuttings (siehe Bild), Implantante etc. sind auch Bodyart, gehen jedoch in eine andere, etwas härtere Richtung.

Das ist ein Cutting

2. Die Definition

Piercing kommt vom englischen "to pierce" und heisst durchstechen (durchbohren, durchstossen, durchdringen). Man durchsticht einen Teil des Körpers und fügt Schmuck in das künstlich gemachte Loch ein, wobei ein Teil des Schmucks weiterhin sichtbar bleibt (im Gegensatz zu Implantaten). Was vielen als neuartige Methode des Körperschmuckes vorkommt, hat bereits eine jahrhundertlange Tradition. In Indien und Indonesien wurde das Durchlöchern der Wangen als Ehrerbietung vor göttlichen Mächten praktiziert. Zungenbohrungen der Hohepriester der Maja, der Ring an der Brustwarze und die Knochen in den Nasen der Papuas sind ebenso archäologisch belegt, wie der kostbare Ohrschmuck und der prachtvolle Nasenring der Pharaonen 3000 Jahre vor unserer Zeit.

3. Die Wahl des Studios

Piercen gehört in die Hände von Fachleuten. Deshalb ist es wichtig ein seriöses Studio zu besuchen. Es ist von Vorteil, wenn man sich mehrere Piercing-Shops anschaut. Der Arbeitsbereich sollte abgetrennt sein, damit das Piercing ungestört und in Ruhe angebracht werden kann. Der Raum sollte hell beleuchtet sein. In ein Piercingstudio gehören keine Tiere (z.B. Hunde) und kein Zigarettenrauch. In einem guten Studio ist ein Sterilisationsgerät zu finden. Nach jedem Kunden müssen die benutzten Instrumente sterilisiert werden, bevor sie erneut benutzt werden können. Das gilt auch für Instrumente, die bereitgelegt, aber nicht benutzt wurden. In einem Studio, in dem Piercing-Pistolen benutzt werden, würde ich mich niemals piercen lassen. Die meisten Studios wollen eine schriftliche Einverständniserklärung, dass das gewünschte Piercing durchgeführt werden darf. Bei Jugendlichen unter 18 Jahren muss ein Elternteil unterschreiben. Wenn man unter 16 ist, muss ein Elternteil beim Stechen dabei sein.

4. Das Anbringen des Piercings

Nach meinem Wissen gibt es drei Techniken um Schmuck in der Haut zu platzieren. Zwei dieser Techniken sind abhängig von der Art der verwendeten Nadel (Kanüle).

Kanüle - meine vom Augenbrauenpiercing hab ich aufgehoben *g*

Die Dritte ist das Ausstanzen des Gewebes. Die erste Technik geht folgendermassen: Es wird eine "nackte" chirurgische Nadel ohne Kopplungsende (für Schläuche etc.) verwendet. Die Nadel wird ganz durchgestochen und der Schmuck folgt dem stumpfen Ende. Diese Technik erfordert eine gewisse Erfahrung des Piercers. Der physische Kontakt zwischen der Kanüle und dem Schmuck darf nicht verloren werden. Es ist kaum möglich das Piercing alleine durchzuführen, auch nicht mit den richtigen Werkzeugen. Die zweite Technik benutzt steril ausgelieferte Braun Introcan Venenverweilkanülen (Braunüle). Diese besitzen ein Plastikröhrchen, das eng an der Metallkanüle anliegt. Beim Piercen wird zuerst die Nadel durchgeschoben, bis sie auf der Gegenseite auftaucht, dann wird die Metallkanüle zurückgezogen. Das flexible Plastikröhrchen verbleibt in der Haut. Der Schmuck kann dann in das Röhrchen eingesetzt und zurückgeschoben werden. Das ist eine relativ angenehme Angelegenheit. Eine weitere Variante ist, wie oben erwähnt, das Ausstanzen des Gewebes. Mit einer feinen chirurgischen Hautstanze (Dermal Punch) wird ein kreisrundes Stück Gewebe ausgeschnitten, und somit ein dauerhaftes Loch geschaffen. Dermal Punches stammen ursprünglich aus der Dermatologie und werden hauptsächlich zur Entnahme von Hautgewebeproben verwendet. Diese Technik des Piercens ist noch relativ unbekannt in Mitteleuropa, bietet aber Vorteile beim Abheilen von Knorpelpiercings. Der Schmuck liegt frei im Loch, der Heilungsverlauf ist schneller und schmerzarmer. Das Piercen ist jedoch blutiger. Der Schmuck, den man gleich nach dem Stechen einsetzt, wird auch Ersteinsatz genannt. Meiner Meinung nach muss der Ersteinsatz aus Titan sein. Titan zeichnet sich durch unübertroffene Körperverträglichkeit aus und allergische Reaktionen sind bisher nicht bekannt.

4.1 Schmerzen?

Wer sich von der Erwartung etwaiger Schmerzen abschrecken lässt, hat den Entschluss sich piercen zu lassen, ohnehin nicht reiflich durchdacht und sollte es lieber bleiben lassen. Das Schmerzempfinden ist bei jedem Menschen anders. Man kann keine allgemeine Aussage zu den erwartenden Schmerzen machen. Das Durchstechen des Knorpels (z. B. Ohrknorpel oder Nasenscheidewand) schmerzt in der Regel mehr.

4.2 Ein Wort zu Betäubungen

Da der Körper beim Stechen eines Piercings ein sogenanntes körpereigenes Betäubungsmittel durch das zentrale Nervensystem freisetzt, sollte man auf äussere Betäubungsmittel verzichten. Ein professionell gestochenes Piercing dauert nur ca. zwei Sekunden und man kann den Schmerz mit einer Blutentnahme vergleichen. Zu allem hin ist man wahrscheinlich noch nervös. Meiner Meinung nach hat man gar nicht genug Zeit , um den Stich zu realisieren. Wenn der Schmuck angebracht ist, steht man auf und betrachtet ihn im Spiegel. Dann kommt Freude auf; endlich hat man allen Mut zusammen genommen und es überstanden. Der Schmerz wird schnell vergessen. Betäubungsmittel sind nur beschränkt einsetzbar, da Piercer keine Injektionen verabreichen dürfen. Eissprays kühlen bloss ein bisschen (Achtung vor Unterkühlung und Verhärtung des Gewebes) und haben mehr eine psychologische Wirkung. Eine Injektion spürt man genauso wie man die Kanüle spürt. Warum soll man sich zweimal pieksen lassen, wenn einmal genügt? Wenn eine Körperstelle betäubt wird, können auch Schäden entstehen. Die Abheilzeit kann sich zum Beispiel verlängern, es können unnötige Blutungen oder sehr starke Schmerzen nach Abklingen der Betäubung auftreten. Dasselbe gilt auch für Medikamente und Drogen, einschliesslich Alkohol. Zudem wirkt sich der Konsum von Medikamenten oder Drogen negativ auf den Kreislauf und auf die Blutgerinnung aus.

4.3 Die Ohrlochpistole

Die Ohrlochpistole wurde erfunden, um Kuhohren zu markieren. Sie besteht in ihrem Inneren aus Plastik oder metallverkleidetem Plastik und kann wegen den hohen Temperaturen im Autoklav nicht sterilisiert werden. Das Gerät ist daher der ideale Keimverbreiter. Durch die Pistole ist eine gefährliche Infektion möglich. Schmerzhafte Entzündungen und Komplikationen beim Heilungsprozess sind weitere Gründe, dieses Gerät zu meiden. Beim Durchstossen des Körpers mit der Pistole bleiben zermatschte Gewebereste zurück und werden an die Seite des oftmals stark ausgefransten Stichkanals gedrückt. Eine optimale Brutstätte für Entzündungen verursachende Erreger. Durch die Ablagerung der zerschossenen Körperreste kann sich nur sehr schwer neue, gut verheilende Haut im Stichkanal bilden. Oftmals werden die entsprechenden Stellen nach langer Zeit abgekapselt und bilden einen Knorpel, der für immer im Körper zurückbleibt.

5. Wie wird richtig gepflegt?

Die fachgerechte Arbeit des Piercers, sowie das verantwortungsvolle Pflegen des Schmuckträgers tragen dazu bei, dass ein Piercing schnell und ohne Komplikationen verheilt. Man sollte immer berücksichtigen, dass jeder Organismus unterschiedlich auf ein Piercing reagiert. Somit kann keine hundertprozentige Garantie für die optimale Heilung des Piercings gegeben werden. Die Heilungszeit eines Piercings ist sehr stark von der jeweiligen Piercingstelle und den körpereigenen Abwehrkräften abhängig. Deshalb ist es schwierig, allgemeingültige Aussagen über die Dauer der Heilung zu machen. Hier eine Tabelle mit den ungefähren Abheilzeiten:

Augenbraue
Ohr
Ohrknorpel
Nasenflügel
Nasenscheidewand
Lippe
Zunge
Brustwarze
Bauchnabel
ca. 8 - 12 Wochen
ca. 6 - 8 Wochen
ca. 6 - 9 Monate
ca. 8 - 10 Wochen
ca. 8 - 10 Wochen
ca. 6 - 8 Wochen
ca. 2 - 3 Wochen
ca. 6 - 9 Monate
ca. 6 - 9 Monate

Piercings im Intimbereich haben je nach Stelle 3 - 12 Wochen bis sie verheilt sind. Das Infektionsrisiko eines Piercings ist minimal, wenn steril und sauber gearbeitet wird und vor allem die Pflege danach entsprechend ernst genommen wird. Ein frisches Piercing sollte während zwei bis vier Wochen zwei bis dreimal täglich gereinigt werden. Der Schmuck darf nie gedreht werden, ohne dass man zuvor die Kruste aufgeweicht hat. Denn so werden die verhärteten Absonderungen in den erst entstandenen Stichkanal eingeführt, was zu erneuten Verletzungen führen kann. Für mich ist Kochsalzlösung (9g/ Liter Wasser) das beste Pflegemittel und ich kann das auch weiterempfehlen. Nach dem Aufweichen kann man sämtliche Absonderungen wie Eiter- oder Talgkrusten mit sauberen Händen und einem Papiertuch sorgfältig entfernen. In den ersten Wochen sollte man Solarien, Schwimmbäder und Saunen meiden. Anzeichen einer Infektion sind Schwellungen, Schmerzen, extreme Rötung und eitrige Absonderungen in grossem Mass. Treten eben erwähnte Symptome auf, ist es nicht immer vorteilhaft, den Schmuck zu entfernen. Bei fortgeschrittenen Entzündungen kann sich eine offene Wunde negativer auswirken, als das entzündete Piercing. In einem solchen Fall muss man zum Piercer gehen und die Entzündung speziell behandeln lassen.


5.1 Die Wundheilung

Die Haut an sich ist als komplexe Einheit und Bestandteil des menschlichen Körper zu betrachten. Sie ist mit ca. 2 m2 Fläche das grösste Organ des Körpers und übernimmt sehr viele Funktionen. Die Haut besteht aus drei Schichten: Oberhaut, Lederhaut und Unterhaut. Beim Einsetzen eines Piercings werden alle drei Hautschichten durchdrungen und die Funktion der Haut wird an dieser Stelle unterbrochen bzw. gestört. Durch diese Verletzung der Haut können Mikroorganismen in die Wunde gelangen. Die sterile Arbeitsweise in einem Piercingstudio schützt den Kunden nur vor einer sofortigen Verunreinigung der Wunde während des Einsatzes des Piercings. Die alltäglichen Belastungen des frischen Piercings hingegen durch Schweiss, Schmutz der Kleidung oder dauerndes Herumfummeln an der Wunde lassen Bakterien in den verletzten Hautbereich gelangen. Eine leichte Rötung der verletzten Haut sowie eine Schwellung gehören zum Heilungsprozess. Die Wunde beginnt ausserdem in den meisten Fällen auch leicht zu schmerzen und es entsteht eine geringe Erwärmung. Dies ist jedoch kein Grund zur Beunruhigung, der Körper beginnt lediglich mit der Bildung seiner eigenen Abwehrmechanismen, die zur Beseitigung der Entzündung beitragen sollen. Die Haut wird durch einen Säuremantel, der auch als körpereigenes Antibiotikum bezeichnet wird, vor Bakterien geschützt. Da durch das Piercing aber dieser Schutzmantel durchbrochen wurde, werden vom Körper zusätzlich Fresszellen gebildet. Diese körpereigenen Zellen vernichten die eingedrungenen Mikroorganismen. Die dadurch entstandenen Zellabfälle sind als Eiter bekannt und treten als Abfallprodukt aus der Wunde aus. Dieser Vorgang wird vom Körper so lange fortgeführt, bis alle Bakterien vernichtet sind und sich die Haut um den Stichkanal neu gebildet hat. Auch nach einer abgeschlossenen Wundheilung kann ein Sekret aus der gepiercten Stelle austreten. Dieses besteht in der Regel aus abgestorbenen Zellen, die der Körper abstösst. Die Verwendung eines Pflegemittels unterstützt die körpereigene Wundheilung. Ich benutze Bepanthene Plus Spray und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Bepanthene Plus Spray darf natürlich nicht bei Piercings im oralen Bereich benutzt werden. Es ist sehr wichtig, während der Heilphase darauf zu achten, dass die Wunde vor Verunreinigungen geschützt wird. Eine starke Entzündung, vor allem des Brustwarzenbereiches oder des Ohrknorpels, kann zu einer schlimmen Schädigung des Körpers führen. Ist eine Entzündung erst einmal fortgeschritten, zieht dies eine sehr lange Heilphase nach sich. Deshalb ist es sehr wichtig die Pflege des Piercings ernst zu nehmen und nicht zu vernachlässigen. Wer sich an die wenigen Regeln hält, hat sicher viel Spass mit seinem neuen Schmuckstück.


5.2 Abstossen des Schmuckes

In manchen Fällen können Piercings während des Heilungsprozesses herauswachsen oder abgestossen werden. Der Schmuck wird immer weiter vom Körper weggeschoben, bis er schliesslich keinen Halt mehr findet. Das Herauswachsen ist nicht schmerzhaft und es zeugt von einem guten Immunsystem. In den meisten Fällen bleiben Narben zurück. Oberflächenpiercings wachsen vorwiegend heraus (z.B. Augenbraue, Nacken), da die Haut dort unter grosser Spannung steht, ständig in Bewegung ist oder zuviel Fett aufweist.

6. Für Piercings geeignete Stellen

Sofern keine grösseren Blutgefässe oder Nervenbahnen an den vorgesehenen Hautstellen verlaufen, kann theoretisch überall ein Piercing angebracht werden. Jedoch sind einige Piercings viel unkomplizierter zu handhaben als andere. Oberflächenpiercings z.B. wachsen mit grosser Wahrscheinlichkeit heraus (Zugspannung auf den Stichkanal). Piercings an Händen und Füssen haben eine extrem lange Heilphase, da sie ständig in Bewegung sind. Bei Piercings im Mund muss man sich Gedanken über einen eventuellen Zahnfleischrückgang machen, da der Schmuck am Zahnfleisch und auch an den Zähnen reibt. Piercings können sich auch durch den alltäglichen Tragekomfort als nachteilig erweisen. Wer z.B. schon des öfteren mit seinem Motorradhelm am Augenbrauenpiercing hängen geblieben ist, wird sich so seine Gedanken gemacht haben.

Oberflächenpiercing im Nacken

Fusspiercing mit eingesetztem Surface Barbell

Hier nun eine kleine Auswahl von den gängigsten Piercings:

Augenbrauenpiercings sind unkompliziert und kommen häufig vor. Es kann kein Sehnerv verletzt werden, wie oftmals vermutet wird. Es sollte nur im äusseren Drittel der Augenbraue gestochen werden. Als Ersteinsatz empfehle ich einen Ring. Wenn das Piercing verheilt ist, würde ich jedoch den Schmuck wechseln und ein Bananabell oder Barbell einsetzen. Die Haut steht mehr unter Zugspannung, wenn ein Ring drin ist und somit ist das Risiko des Herauswachsens grösser. Eine andere Variante des Augenbrauenpiercings ist z.B. das Bridgepiercing, das zwischen den Augen auf der Nasenwurzel sitzt. In einem guten Studio in der Schweiz bezahlt man für ein Augenbrauenpiercing etwa SFr. 150.-.

Das Labretpiercing wird unterhalb der Lippe gestochen. Oberhalb der Lippe heisst das Piercing Medusa (in der Mitte) oder Madonna (seitlich). Wenn es nicht in der Mitte gestochen wird, wird es mehr bewegt und somit geht es etwas länger, bis es verheilt ist. Ebenfalls ist hier mit etwa SFr. 150.- zu rechnen.

Piercing

Im oralen Bereich sind mir drei verschiedene Piercings bekannt. Zum einen das Zungenpiercing, dann das Lippenbändchenpiercing und noch das durchstochene Tongue Web. Alle Piercings die mit Schleimhäuten in Kontakt sind heilen unglaublich schnell. Das Zungenpiercing gehört zu den schmerzlosesten Piercings überhaupt. Ich selber habe nicht einmal gespürt, als die Nadel meine Zunge durchstach. Alle diese drei Piercings sind in der gleichen Preisklasse, auch so um die SFr. 150.-.


Piercing

Piercings in den Ohren sind schon nicht mehr so speziell wie andere. Es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten, sich das Ohr zu durchstechen. Je nach dem wo gestochen wird, heisst das Piercing anders. Löcher durch das Ohrläppchen verheilen schnell. Wenn durch den Knorpel gestochen wird, ist die Heilungszeit erheblich länger.

Piercing

Auch Nasenpiercings sind nicht mehr so aussergewöhnlich. Man kann entweder durch den Nasenflügel stechen (Nostril), oder durch die Nasenscheidewand (Septum). Beim Septum kann entweder durch den Knorpel gestochen werden oder aber auch durch das Gewebe vor dem Knorpel. Nasen- und Ohrenpiercings kosten je nach Stelle etwa SFr. 100.- bis SFr. 150.-.

Das Durchstechen der Brustwarze ist vergleichsmässig eher schmerzvoll und die Heilung dauert auch eher länger. Auch hier besteht das Risiko des Herauswachsens. Ich würde als Ersteinsatz ein Barbell nehmen, da ein Ring extrem gross sein müsste, damit keine Zugspannung wirkt. Je grösser der Ring, desto grösser die Chance des ungewollten Drankommens. Je nach Studio variiert hier der Preis zwischen SFr. 120.- und SFr. 180.-. Im Intimbereich haben Frauen und Männer sehr viele verschiedene Möglichkeiten sich piercen zu lassen. Je nach Stelle und Studio kostet das etwa SFr. 120.- bis SFr. 250.-.

6.1 Ohrpiercings

Hier eine praktische Übersicht der verschiedenen Ohrpiercings:

1 = Helix

2 = Industrial

3 = Rook

4 = Daith

5 = Tragus

6 = Snug

7 = Conch

8 = Anti-Tragus

9 = Lobe

7. Piercingschmuck

Piercingschmuck gibt es in verschiedenen Dicken. Je nach Piercingstelle muss die Schmuckdicke anders gewählt werden. Der dünnste Schmuck ist 0,8mm dick. Dann geht es aufwärts bis 12mm. Schmuck, der in gedehnte Löcher eingesetzt wird, ist natürlich unter Umständen noch viel grösser. Darauf komme ich später zurück. Dann gibt es weiter sogenannte Aufsätze. Das können Kugeln, Spitzchen etc. sein. Diese können auf jedes Gewinde geschraubt werden, solange die Dicke des Schmucks dem Gewinde des Aufsatzes entspricht. Materialien, Formen und Farben können beliebig kombiniert werden. Ausser Titan, Teflon (PTFE), Niobium und Implantanium ist kein Material als Ersteinsatz geeignet. Wenn das Piercing vollständig abgeheilt ist, hat man eine sehr grosse Auswahl an verschiedenen Materialien, Farben, Formen, Grössen und Dicken. Es gibt Schmuck aus Chirurgenstahl, Implantanium, Platin, Titan, Acryl, Horn, Niobium, Silber, Gold, Mammut, Holz, Teflon und Nickel. Auf Nickel sollte wenn möglich verzichtet werden, da es schwere Allergien auslösen kann. Die Verträglichkeit ist nicht bei jedem Material gewährleistet. Auch hier kommt es wieder auf den körpereigenen Organismus an, wie gut das Material vertragen wird.

Das wohl am meisten bekannte Schmuckstück ist das Barbell. Es besteht aus einem Stab mit je einem Gewinde an den Enden. Das Bananabell (auch Curved Barbell genannt) ist ein gekrümmtes Barbell und wird vorwiegend für Bauchnabel- und Augenbrauenpiercings verwendet.

Barbell - sowas hab ich auch in der Zunge

Das ist ein weiterer Aufsatz, eine sogenannte Galaxiskugel.

Galaxiskugel

Bei den Piercingringen gibt es den Klemmkugelring (Ball Closure Ring, BCR) und die Rundhantel (Circular Barbell). Der Klemmkugelring ist einfach ein Ring, der eine Öffnung hat. In diese wird dann eine Kugel mit zwei Einkerbungen eingeklemmt. Somit ist der Ring geschlossen. Die Rundhantel ist ein zu einem Ring geformtes Barbell.

Ring

Für Piercings im Lippenbereich werden sogenannte Studs verwendet. Das sind Barbells mit nur einem Gewinde an einem Ende. Auf der anderen Seite des Stabes befindet sich ein Plättchen, das auf der Innenseite getragen wird. Eine Kugel würde zu nahe an die Zähne und an das Zahnfleisch kommen.

Lippenpiercing

Für Piercings im Nasenflügel gibt es natürlich auch hochwertigen Schmuck. Man kann Ringe einsetzen oder, wnn man es lieber unauffälliger mag, Nasenstecker.

Ich trag lieber meinen Ring...

Wenn ein Piercing im Beruf oder an sonstigen Anlässen versteckt werden muss, kann man einen Retainer einsetzen. Für das Septum gibt es U-förmig gebogene Stifte die nach oben geklappt werden, für die Zunge gibt es farblose Acryl-Stifte.

7.1 Die Dehnung

Wenn ein Piercing vollständig verheilt ist, kann man den Stichkanal ausweiten, um grösseren, spezielleren Schmuck zu tragen. Im Gegensatz zu manchen Naturvölkern wird die Erweiterung des Ohrläppchens in Piercingstudios nicht durch einen Schnitt, sondern durch einen langsamen Dehnungsvorgang erreicht. Das kann sich durchaus über einige Monate hinziehen. Die Dauer dieser Erweiterung ist abhängig von der jeweiligen Endgrösse des Loches. Es werden spezielle, konisch zulaufende, Dehnungsstifte oder Dehnungssicheln verwendet, die durch das vorhandene Loch geschoben werden. Am Ende besitzen diese eine Öffnung, in die der neue Schmuck eingesetzt werden kann. Um ein Reissen des Ohrgewebes zu vermeiden, wird der Schmuck für gewöhnlich in 1mm-Schritten vergrössert. Es ist jedoch bei sehr weichem Gewebe durchaus möglich, grössere Schritte auszuführen. Bei zu grosser Steigerung der Schmuckgrösse besteht die Gefahr, dass das Gewebe im Ohr reisst und sich somit später nicht mehr zusammenziehen kann, wenn der Schmuck entfernt werden soll. Es gibt verschiedene Arten und Grössen von Schmuck, die in ein erweitertes Ohrloch eingesetzt werden können: Einfache Hülsen, die mittels Gummiringen befestigt werden, Flesh Tunnels, Holzpflöcke (sogenannte Plugs, siehe Foto) oder leuchtende Kunststoffstäbe. Wenn man den Schmuck nicht mehr tragen will, kann man ihn problemlos entfernen. Wie weit sich das Ohrloch zusammenziehen wird, ist abhängig von der Grösse der Erweiterung und der Art und Weise, wie diese durchgeführt wurde. Ein Loch in einem Knorpel wird dauerhaft sichtbar bleiben.

Piercing

7.2 Sterilisieren & Desinfizieren

Piercingschmuck muss vor dem Einsetzen gründlich gereinigt und sterilisiert werden. Steril ist etwas, an dem alle Mikroorganismen, Viren und Bakterien abgetötet wurden. Desinfiziert bedeutet hingegen, dass lediglich die krankmachenden Keime abgetötet oder sogar nur inaktiviert werden. Desinfiziert werden sollten dementsprechend alle benutzten Instrumente, Schmuckstücke, die Hände des Piercers, die Hautstelle um das Piercing und auch alle Oberflächen im Studio inklusive des Fussbodens. Die Desinfektion ersetzt aber in keinem Fall eine ordentliche Sterilisation, die vorzugsweise im Autoklav (Dampfdrucksterilisator) oder im Heissluftsterilisator durchgeführt wird. Piercingschmuck wird zum überwiegenden Teil industriell hergestellt, das heisst auf Drehbänken und anderen Maschinen. Anschliessend wird er in einer Poliertrommel mit feinsten Körnern poliert. Dann wird der Schmuck grob gespült und verkauft. Es findet keine Kontrolle auf z.B. fehlerhafte Stücke statt. Im Piercingstudio angekommen, sollte nun der Schmuck erst mal im Ultraschallreiniger für mindestens zehn Minuten mit Desinfektionslösung vorgereinigt und desinfiziert werden. Anschliessend sollte der Schmuck mit destilliertem Wasser abgespült werden, damit sich beim Sterilisieren keine Kalkreste in den Schmuck brennen. Nun wird der Schmuck mit Lupe und Pinzette auf Fehler und Späne kontrolliert. Nach der Überprüfung und Überarbeitung werden die Ringe vermessen und in entsprechend beschriftete Sterilisiertütchen gepackt. Nun kann alles sterilisiert werden. Selbst nach dem Öffnen des Sterilisators kommen keine Verunreinigungen mehr an den Schmuck. Genauso wird das verwendete Werkzeug sterilisiert, wie z.B. Scheren und Zangen.

8. Tipps für Einsteiger

Wenn man sich piercen lassen möchte, sind die folgenden Punkte sehr wichtig, damit alles ohne Komplikationen abläuft:

  1. Das Piercingstudio gut unter die Lupe nehmen und kritisch sein
  2. Sich gut über das gewünschte Piercing informieren und eventuelle Risiken kennen
  3. Das Piercing in den ersten Wochen nur berühren, wenn man es reinigen will
  4. Vor dem Berühren des Piercings immer die Hände waschen
  5. Den Schmuck nicht unnötig bewegen oder drehen
  6. Die Kruste immer zuerst aufweichen und dann entfernen
  7. Keine Cremes, alkoholische Hautdesinfektionsmittel oder Wasserstoffperoxid zur Pflege benutzen.
  8. Nur selten Wundheilungsmittel verwenden, da der Körper sich selber heilt
  9. Lieber einmal zu viel zur Nachkontrolle gehen, als einmal zu wenig

 

Wenn diese negativen Punkte zutreffen, sollte man sich auf keinen Fall piercen lassen:
Aids, Hepatitis, Leukämie, Krebs, Diabetiker, Herzklappenfehler, Bluter, allgemein schlechte Heilungstendenz, Metallallergien, akute Infektionen (Bronchitis, Grippe, Mittelohrentzündung...), Hauterkrankungen im Piercingumfeld, Schuppenflechte, Neurodermitis, bei Alkohol- und Drogeneinfluss.
Bei oralen Piercings: Keine Karies und keine Entzündung im Mund.

 

 © by Cheesy

 


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